Bolivien

Bolivien gilt als das einzige Entwicklungsland Südamerikas und entsprechend stark war der Kontrast zwischen Ecuador (wo wir rund einen Monat verbracht haben) und Bolivien. Laut offiziellen Angaben leben bis zu 60 % der Bolivianer in Armut, und das merkt man auch, wenn man durch das Land reist. Das durchschnittliche Einkommen hier ist wesentlich geringer als in den anderen Ländern Südamerikas. Ein Lehrer bekommt zum Beispiel rund € 250, ein Minenarbeiter kommt zwar auf € 400 – € 500 in einem durchschnittlichen Monat, wird aber aufgrund der harten, belastenden Arbeit nicht sonderlich alt.

Genauso wie in Ecuador, haben wir uns auch hier größtenteils in der Andenhochebene aufgehalten, also nahezu durchgehend zwischen 3000 und 4000 m Höhe. Probleme mit der Höhe hatten wir nicht, das kann man jetzt nach rund 7 Wochen in dieser Höhe definitiv ausschließen ;)

La Paz
Begonnen haben wir unsere Bolivienreise in La Paz. La Paz gilt zwar offiziell nicht als Hauptstadt Boliviens, ist es aber de facto, da sich eigentlich alles hier abspielt. Gemeinsam mit El Alto (eine seit wenigen Jahren eigenständige Stadt, die direkt neben La Paz liegt) ist La Paz die mit Abstand größte Stadt des Landes, hier befindet sich der Regierungssitz und auch sonst alles, was von Bedeutung ist. La Paz liegt in einem Canyon in der Anden-Hochebene, der nördliche Teil der Stadt liegt auf rund 4100 m und der südliche auf rund 3100 m, was wohl ebenfalls einmalig auf dieser Welt ist. Aufgrund der großen Differenz ist es im südlichen Teil der Stadt bis zu 10°C wärmer als im Norden. Und ein Stadt-Spaziergang entspricht einer mittelmäßigen Bergtour, ständig geht man bergauf oder -ab, zum Teil sehr steil und bei manchen Straßen ist man verwundert, dass da überhaupt noch Autos (zum Teil sogar Busse) hinaufkommen. La Paz ist wesentlich moderner als die meisten anderen Regionen Boliviens, dennoch ist der Kontrast zu Ecuador – wie bereits geschrieben – oder Chile (wo wir nur eine Kleinstadt gesehen haben) extrem.

In La Paz waren wir sehr lange, in Summe etwa zwei Wochen – ähnlich wie in Quito konnte man hier in der direkten Umgebung sehr viel machen. Und während daheim schön langsam der Sommer einkehrt, mussten wir hier teilweise frieren ;) aufgrund der hohen Lage sinkt die Temperatur in der Nacht auf bis zu 0°C ab, tagsüber klettert das Thermometer auf 14 bis 18 °C (so zumindest in der Zeit, wo wir dort waren). Während unserem Aufenthalt in La Paz wurde sehr viel demonstriert, einmal sogar vier Tage in Folge – und während daheim selten mehr wie ein paar Tausend (wenn überhaupt) zu einer Demo kommen, kann man hier – am Höhepunkt – von paar Hunderttausenden (!) sprechen. Und entsprechend sind die Auswirkungen: der Verkehr liegt komplett lahm und man hat ständig das Gefühl, die Lage könnte jeden Moment explodieren. Auch weil sehr viel geschossen wird… also, nicht auf Menschen, sondern in die Luft – selbst gebastelte Sprengkörper (schätze so etwas ähnliches wie “Schweizer”) werden in Bambusröhren gezündet und in die Luft geschossen. Hört sich auf jeden Fall arg an. Da wir die Lage anfangs nicht einzuschätzen wussten, haben wir uns erkundigt, ob das “normal” sei – es sei nicht “normal”, hat man uns geantwortet, es ist wesentlich mehr los als sonst und normal wird auch nicht so lange demonstriert. Auch konnte man zu dieser Zeit kaum wo hinreisen aufgrund der vielen Straßenblockaden. Hauptforderungen waren mehr Pension und mehr Lohn – was raus gekommen ist bzw. ob noch immer gestreikt wird, wissen wir nicht, da wir uns inzwischen nicht mehr in La Paz aufhalten und die anderen Regionen nicht so stark von politischen Protesten betroffen sind.

Death Road
Einer der Ausflüge aus La Paz war die Death Road (“Yungas-Straße”, zwischen La Paz und Coroico), die angeblich gefährlichste Straße der Welt. Bis vor wenigen Jahren (eine neue Straße wurde erst 2006 gebaut) gab es hier sehr viele Unfälle, da die – unbefestigte – Straße größtenteils nur 3 m breit ist und an den Hängen geht es bis zu 600m abwärts. Hier waren nur wenige PKWs unterwegs (wie auch im Jahr 2013 machen Busse und LKWs den Großteil des Verkehrs in Bolivien aus), und wenn sich zwei Fahrzeuge an einer engen Stelle begegnet sind, musste das Äußere über die Böschung hinaus fahren – was eben sehr oft tödlich geendet hat (bis 2007 gab es auf dieser Straße rund 200 bis 300 Todesfälle pro Jahr). Die Straße verbindet La Paz mit dem Tiefland (Regenwald) und auf einer Länge von rund 65 km überwindet man über 4000 Höhenmeter (man durchfährt damit quasi alle Klimazonen Südamerikas). Eine weitere Besonderheit der “Death Road”: hier herrscht Linksverkehr, damit die – links sitzenden – Fahrer die Böschung besser sehen, was vor allem bei Gegenverkehr sehr wichtig ist (ansonsten herrscht in Bolivien – wie in ganz Südamerika – Rechtsverkehr).

Heutzutage wird die Straße aber kaum noch benutzt, da – wie bereits geschrieben – 2006 eine neue (wesentlich sicherere) Straße gebaut wurde. Die Straße wird heutzutage fast ausschließlich für Mountainbike-Touren genutzt und an einer solchen haben wir teilgenommen. Die Tour beginnt auf 4600 m Höhe, die ersten paar Kilometer fährt man noch auf einer gut ausgebauten, asphaltierten Straße und erst die letzten rund 40 km fährt man den auf der alten, berüchtigten “Death Road”. Es war sehr faszinierend! Es geht nahezu durchgehend bergab und man kann quasi dabei zusehen, wie sich die Vegetation ändert und sich zunehmend in einen Dschungel verwandelt – viel Gelegenheit hat man dazu allerdings nicht, da man sich doch sehr auf die Straße konzentriert: auch wenn jetzt bei Weitem nicht mehr so viel los ist, ist der Spaß alles andere als ungefährlich… einmal die Lage falsch eingeschätzt und/oder zu spät gebremst und es ist vorbei. Auch waren die Räder nicht unbedingt im Besten zustand – sowohl Nermin als auch ich mussten das Rad während der Tour wechseln (man wird von einem “Support-Car” begleitet, eben für solche Fälle). Bei mir hat die Vorderbremse versagt, beim Nermin ist die Gangschaltung abgebrochen. Auch sind uns ein paar LKWs entgegenkommen, die man aufgrund der kurvigen Straße oft erst im letzten Moment sieht. Entlang der Strecke finden sich sehr viele Denkmäler, zur Erinnerung an die Unfälle (darunter auch Mountainbiker).

Huayna Potosí (6.088 m)
Ein weiterer Ausflug aus La Paz war die Besteigung des Huayna Potosí, eines 6.088 m hohen, vergletscherten Berges, rund 25 km von La Paz entfernt. Obwohl wir beide alles andere als Bergsteiger sind, hat uns diese Idee nicht mehr los gelassen und nach einigen Tagen überlegen haben wir uns dann dafür entschieden. Wer weiß, wann sich das nächste Mal die Gelegenheit ergibt, einen 6000er zu besteigen!? Natürlich haben wir auch hier eine Tour gebucht, da wir weder Erfahrung noch Equipment dabei hatten. Die Tour dauert drei Tage: am ersten Tag fährt man mit dem Geländewagen zur Basisstation auf rund 4.800m Höhe, wo man auch am selben Tag noch ein Training absolviert: da die Gletscherzungen zum Teil bis unter 5000 m reichen, kann man unweit der Hütte an einer solchen trainieren (Eisklettern, gehen mit den Spikes etc.). Die erste Nacht verbringt man auf dieser Basisstation (auch zur Akklimatisierung).

Am zweiten Tag geht es dann – mit dem gesamten Equipment, also rund 20 bis 30 kg – zur zweiten Station auf 5.130m Höhe…. was aufgrund des Gewichts des Equipments nicht gerade ein Spaziergang ist. Bei der zweiten Station ist man gegen Mittag und das war es auch schon für den zweiten Tag… man kann dann noch auf eigene Faust etwas herum wandern oder auch seine Kräfte schonen, schließlich geht es am nächsten Tag bereits um 1 Uhr morgens auf den Gipfel. Um ca. 17 Uhr gibt es Abendessen und dann heißt es auch schon schlafen gehen – viel Schlaf haben wir allerdings nicht abgekommen, da es einfach noch viel zu früh zum schlafen war. Außerdem haben rund 10 andere im selben Raum übernachtet, und da andauernd jemand auf die Toilette muss oder sonst was zu erledigen hat, kommt man eben nicht viel zum schlafen. Und bisschen nervös ist man natürlich auch ;)

Um 0:30 wurden wir dann geweckt und nach einem schnellen Frühstück (mit viel Koka-Tee!) ging es dann um 1:30 auch los. Der Grund, warum man um diese Uhrzeit losgeht, ist Folgender: während der Nacht ist der Schnee gefroren und somit ist der Aufstieg wesentlich einfacher als tagsüber, wo die Oberfläche aufgrund der starken Sonneneinstrahlung auftaut. Der Aufstieg dauert in der Regel 5 – 6 Stunden, wir waren nach knapp 4 Stunden bereits am Gipfel. In diesen 4 Stunden haben wir fast 1000 Höhenmeter überwunden, darunter einige sehr steile Bereiche. Wir haben uns lange Zeit sehr gut gehalten, erst die letzten rund 200 Höhenmeter hatten wir etwas zu kämpfen – wohl auch, weil es die Bergführer viel zu eilig hatten (am Gipfel mussten wir dann rund eine halbe Stunde auf den Sonnenaufgang warten, was bei gefühlten -15°C nicht so lustig ist). Aber wir haben es geschafft, und nur das zählt! :) Es war eine überwältigende Aussicht, als es dann hell wurde! Wir hatten Glück mit dem Wetter und somit hat man sehr weit gesehen: La Paz (zur Hälfte in Wolken eingehüllt), den Titikakasee, viele weitere Gipfel und faszinierende Landschaften und im weit entfernten Regenwald hat es geblitzt und gedonnert (vor allem während dem Aufstieg im Dunkeln hat das ein sehr schönes Bild abgegeben). Somit bleibt abschließend nur zu sagen: wir sind auf unserer Reise nicht nur weit – sondern auch sehr Hoch – gekommen! ;)

Pampa (Rurrenabaque)
Nach der Huayna Potosí-Besteigung haben wir uns wieder für paar Tage in La Paz einquartiert um etwas zu verschnaufen. Auch haben nicht nur wir den Huayna Potosí bezwungen, sondern auch er mich: eine Erkältung war die Folge, aber alles halb so wild – schließlich reicht unser Spanisch schon aus, um in der Apotheke Hustensaft etc. zu besorgen ;)

Nach 3 Tagen in La Paz ging es auch schon weiter, und zwar in die “Pampas”. Da wir nicht wussten, ob wir dort hinfahren können (aufgrund der Proteste) und uns das auch niemand versichern konnte (die Tage zuvor haben wir von einige Reisenden gehört, dass die ihre geplanten Trips nicht antreten konnten), sind wir kurzerhand geflogen: auch eine Wahnsinns-Erfahrung! In einem Kleinflugzug, in das nicht mal 20 Leute passen, fliegt es sich doch anders als in für internationale Flüge ausgelegten Jets. Wir sind gleich in der ersten Reihe gesessen – und da das Cockpit nicht abgetrennt war, konnten wir den beiden Piloten bei der Arbeit zusehen und haben auch vorne hinausgesehen. Und der Flughafen in Rurrenabaque war auch wesentlich anders als alles davor gesehene - mitten im Dschungel eine kurze Landepiste, alles sehr klein und minimalistisch (bis auf die Landepiste war auch nichts asphaltiert, das Flugzeug ist durchs Gras zu einer kleinen Hütte gefahren, in der alles Notwendige für den Flugbetrieb untergebracht war).

Dort wurden wir von einem Geländewagen abgeholt und dann ging es drei Stunden über Stock und Stein bis nach Santa Rosé (diese unasphaltierte Straße war die Hauptstraße in dieser Region – wie bereits geschrieben, Bolivien ist ein sehr armes Land). Von Santa Rosé ging es dann mit einem kleinen Boot (“Longtail-Boot”, auch in Asien sehr verbreitet) weiter (weitere rund 3 Stunden) bis zu einem Camp mitten im Nirgendwo, direkt am Fluss gelegen (in der Pampa kann man sich nur auf dem Boot fortbewegen). Hier sind wir drei Tage geblieben und haben allerhand Aktivitäten unternommen und haben dabei sehr viele – für uns Neue – Tiere gesehen. Am spannendsten waren wohl die Alligatoren, von denen es nur so gewimmelt hat… wir haben wohl an die paar hundert an diesen drei Tagen gesehen. Von ganz klein bis sehr groß (4-5 m), darunter auch Solche, die es nur hier gibt. Aber auch verschiedene Affen, Vögel, Schlangen, Flussdelfine und einige Tiere, die so exotisch sind, dass wir nicht mal den Namen kennen (aber es gibt Bilder davon! – sehen aus wie riesige, mutierte Ratten).

Potosí
Nach unserem Pampa-Ausflug ging es ein letztes mal nach La Paz, wo wir unseren Krempel abgeholt haben und von wo wir dann gleich nach Potosí weiter gereist sind. Potosí war vor 400 Jahren eine sehr reiche Stadt. Sie liegt am Fuße de Cerro Rico (=reicher Berg), in dem es damals enorme Vorkommen an Silber gab, und zu dieser Zeit war Potosí auch größer als zB Madrid, Paris oder London. Heute ist Potosí nur noch ein Schatten seiner selbst, zwar ist nach wie vor ein Großteil der Bevölkerung im Bergbau beschäftigt, aber das läuft bei Weitem nicht mehr so ertragreich wie früher. Hier haben wir das gemacht, wofür Potosí bekannt ist: eine Mine besichtigt.

Zwischen 10.000 bis 15.000 Mann arbeiten täglich in einer der über 200 Minen im Cerro Rico. Unser Guide war lange Zeit selbst Minenarbeiter, hat schon mit 14 damit begonnen, konnte sich aber aufgrund seiner guten Sprachkenntnisse und seinem Ehrgeiz davon “befreien” – und bietet jetzt eben Führungen durch die Minen an. Er verdient jetzt zwar weniger, lebt aber wesentlich besser – er ist damit zufrieden und hofft, dass auch die anderen Minenarbeiter einen Ausweg finden. Diese Führung war ein sehr authentisches Erlebnis! Hier darf man sich nicht einen alten, abgeriegelten Stollen – extra für Touristen eingerichtet – vorstellen… nein, hier werden Stollen besichtigt, die noch aktiv sind, wo sich nach wie vor Dutzende Minenarbeiter tummeln und wo man alles hautnah mitbekommt. Einige Male mussten wir schnell auf die Seite weichen, weil mal wieder ein Minen-Wagen raus geschoben wurde – diese Wagen wiegen bis zu einer Tonne und werden mit bloßen Händen geschoben… hier ist eben noch alles wie “früher”, für technische Innovationen gibt der Berg vermutlich auch zu wenig her. In solchen Fällen läuft ein Minenarbeiter voraus und warnt alle, da der Wagen eben nicht einfach so abgebremst werden kann und nur selten genug Platz ist, um auszuweichen.

Die Minenarbeiter in Bolivien sind inzwischen unabhängig und auf das sind sie auch sehr stolz. Die Arbeit in den Minen ist sehr hart, die wenigsten werden älter als 50 – aber jetzt arbeiten sie nicht mehr für Könige, Politiker oder internationale Konzerne, sondern für sich selbst. Die Minenarbeiter sind in Gewerkschaften organisiert, jede Gewerkschaft besitzt eine oder mehrere Minen. Die Gewerkschaften wiederum sind in zahlreiche kleine Gruppen untergliedert (meistens auf familiärer Ebene) und bestehen aus 4 bis 9 Mann – diese Gruppen trennen sich in der Regel das ganze Leben lang nicht. Vertrauen ist hier wichtig! Obwohl Kinderarbeit in Bolivien offiziell verboten ist, sind wir auch einigen Kindern begegnet: vor allem da die Schulen dieser Tage wegen eines Lehrerstreiks geschlossen waren. Aber auch ansonsten gehört das hier zum Alltag – niemand kontrolliert, was hier wirklich passiert… und es wird auch nicht großartig verheimlicht.

Die Stollen sind teilweise nur einen Meter hoch und entsprechend mühsam ist es, durch diese zu “wandern”. Das Atmen fällt schwer, es ist extrem staubig. Darunter auch toxische Stoffe. Man trifft immer wieder auf kleinere Gruppen, die in dem für sie reservierten Teil des Stollens hart arbeiten. Nur mit dem Notwendigsten ausgerüstet.

Die Minenarbeiter in Potosí haben so eine Art eigenen Glauben entwickelt. Sie sind zwar überwiegend katholisch und glauben auch an Jesus und Co., aber hier unter der Erde ist für sie El Tio (spanisch für “der Onkel”, repräsentiert sozusagen den Gott der Unterwelt) zuständig. In jeder Mine gibt es einen Altar, meistens mit einer Figur, die den El Tio verkörpert und 2x im Monat gibt es eine Zeremonie. Am ersten Freitag im Monat, um sich einen guten Ertrag vom “Gott der Unterwelt” (Besitzer der Mineralien im Berg) zu wünschen und am letzten Freitag, um sich für den Ertrag im letzten Monat zu bedanken. Bei diesen Zeremonien wird sehr viel hochprozentiger (96 %) Alkohol pur getrunken, den laut der Definition dieses Rituals sind dann auch die gefundenen Mineralien “hochprozentig”. Vor jedem Schluck verschüttet man ein wenig auf den Boden (=”Mutter Erde”) und etwas auf El Tio selbst, was teilen mit ihm bedeutet. Auch werden El Tio zahlreiche Geschenke (Zigaretten, Koka, …) sowie Opfer gebracht: da es sehr viele Unfälle in den Minen gibt, heißt es unter den Minenarbeitern, das El Tio hungrig nach Blut ist – daher werden bei diesen Zeremonien Lamas geschlachtet und deren Blut an die Wänden (insbesondere in den Eingangsbereichen) gespritzt… dadurch erhofft man sich, dass der Durst von El Tio gestillt wird und es somit weniger menschliche Opfer gibt.

Salar de Uyuni
Nach zwei Tagen und einer Übernachtung in Potosí ging es auch schon weiter nach Uyuni – bekannt für den größten Salzsee der Erde, den “Solar de Uyuni” (10.580 km²). Hier ist vor rund 10.000 Jahren der salzhaltige See Tauca ausgetrocknet und übrig geblieben ist nur das Salz – soweit das Auge reicht. In der Regenzeit bildet sich eine paar Zentimeter tiefe Wasserschicht und verwandelt den See in den größten natürlichen Spiegel der Erde… da wir aber in der Trockenzeit hier waren, konnte der See begangen bzw. befahren werden. In der Mitte des Sees befindet sich eine Insel, auf der sehr viele, sehr hohe und bis zu 1200 Jahre alte Kakteen zu finden sind – vom höchsten Punkt dieser Insel hat man auch einen wunderbaren Ausblick auf die Umgebung. Besucht haben wir auch ein “Salzhotel”, ein Hotel, gänzlich aus Salz errichtet (sogar Tische und Stühle – die sanitären Anlagen zum Glück nicht), in dem sich auch ein kleines Museum mit Skulpturen aus Salz befindet.

Oriente
Nach dem Salzsee ging es dann aber allmählich wieder ins “Tiefland” – zuerst nach Sucre, die formale Hauptstadt Boliviens und liegt auf etwa 2800m. Das war von der Temperatur her schon wesentlich angenehmer und hier sind wir auch vier Tage geblieben. Sucre ist vor allem für seine weißen Häuser bekannt – rund 10 Blocks vom Zentrum entfernt muss jedes Haus laut Gesetz weiß gestrichen werden, was der Stadt einen durchaus edlen und wohlhabenden Eindruck verleiht (insbesondere hier in Bolivien, wo in den meisten anderen Städten die Häuser oft gar nicht verputzt sind). Etwas außerhalb sieht es dann schon wieder in etwa so aus wie überall in Bolivien. Von Sucre aus ging es weiter nach Santa Cruz, eine der größten Städte Boliviens und das Zentrum des Ostens. Santa Cruz liegt auf rund 400m und damit war unser mehrwöchiger Ausflug ins Hochland endgültig beendet – ab hier wird es für den Rest der Reise nicht mehr wesentlich hinaufgehen. Santa Cruz war für uns nicht weiter spannend, diente lediglich als Ausgangspunkt für die Weiterreise nach Brasilien, haben aber auch hier einen kurzen Zwischenstopp eingelegt, da wir die nächsten Tage ohnehin genug im Bus sitzen werden.

Resümee
Genauso wie Ecuador hat uns auch Bolivien sehr gut gefallen -definitiv eines der Highlights unserer Reise! Auch hier findet man auf relativ kleinem Raum Verschiedenartigstes und es ist wohl für jeden etwas dabei. Egal, ob man wochenlang durchs Hochland trampen möchte, tagelang im Dschungel versumpfen will, Berge besteigen oder einfach durch die idyllischen Städte schlendern möchte. Hier haben wir auch einige getroffen, die sich alles was sie so brauchen aufs Fahrrad geschnallt haben und so durchs Land gereist sind. Und sehr viel haben wir in der kurzen Zeit gar nicht gesehen/erlebt. Bolivien ist sehr günstig und unkompliziert, und obwohl es ein armes Land ist, findet man im Wesentlichen alles, was man so braucht.

Der hohe Anteil an der indigenen Bevölkerung macht das Land ebenfalls zu einem besonderen Erlebnis, hier haben sich die Traditionen so gut wie kaum wo in Südamerika gehalten. Und was in einem Bolivienartikel ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf, ist Koka – einfach allgegenwärtig in Bolivien. International verboten und geächtet wird es hier schon seit Jahrhunderten konsumiert – entweder gekaut oder als Tee getrunken (ist hier so eine Art Nationalgetränk). Auch Touristen greifen im Andenhochland gerne zum Koka-Tee, da es die Sauerstoffaufnahme fördert und somit gegen die Höhenkrankheit hilft. Auch wir haben bei unserer Huayna Potosi Besteigung reichlich Koka-Tee getrunken… ob es geholfen hat, können wir nicht sagen, aber wir haben es bis hinaufgeschafft, was uns letztendlich leichter gefallen ist, als wir gedacht hätten. Auch in den Minen ist Koka allgegenwärtig, jeder Minenarbeiter konsumiert (kaut) rund 15g pro Tag, was das Leben “Untertags” erträglicher macht. Auch die spanische Krone hat zur Blütezeit des Bergbaus in Potosí das Koka gefördert, da die Minenarbeiter dadurch wesentlich belastbarer waren. Und es spielte auch eine zentrale Rolle in der Kultur der Inka. Dass es international als Droge eingestuft wird, ist wohl überspitzt, da es im Grunde nichts mit der Droge Kokain zu tun hat (wird zwar aus Koka-Blättern gewonnen, aber bei extremer Dosierung der in der Koka-Planze enthaltenen Alkaloide und viel Chemie)… die Weintraube kann ja zB auch nichts dafür, dass man aus ihr Alkohol / Wein machen kann (und selbst in Saudi-Arabien ist noch niemand auf die Idee gekommen, Weintrauben deshalb zu verbieten). Dieses Thema ist hier (nicht nur in Bolivien, auch in Peru und Kolumbien) sehr wichtig, da viele direkt (Anbau) oder indirekt (Handel) davon betroffen und benachteiligt sind (zB kein Export von Tee möglich) und daher ist wohl nicht ganz zufällig ein ehemaliger Koka-Bauer Präsident von Bolivien (Evo Morales).

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24 Stunden in Chile

Ursprünglich hatten wir ja geplant, unsere Südamerika-Reise im Süden von Chile zu beginnen und uns in den Norden vorzuarbeiten. Warum daraus nichts geworden ist, kann man hier nachlesen. Da wir letztendlich im Norden begonnen haben und in der Karibik mehr Zeit verbracht haben als geplant, mussten wir auch unsere weiteren Pläne überarbeiten und da ist Chile raus geflogen (auch weil wir unerwartet ein Visum für Brasilien bekommen haben – man muss leider Prioritäten setzen, alles geht einfach nicht). Da wir aber auch nicht nach Peru durften (3x dürft ihr raten: genau, wir haben kein Visum bekommen!), mussten wir von Ecuador nach Bolivien fliegen, anstatt uns auf dem Landweg vorzuarbeiten - dieser Flug ging via Chile, und da wir über 20 Stunden auf den Anschluss-Flug nach Bolivien warten mussten, haben wir diese Zeit genutzt, um zumindest einen groben Eindruck von Chile zu gewinnen.

Wir sind gegen 18 Uhr auf dem Iquique International Airport, im Norden von Chile, gelandet. Keine Stunde später waren wir bereits im Hostel (das wir vorab raus gesucht hatten) in der rund 40 km vom Flughafen entfernten Stadt Iquique (Einheimische, die wir kurz vorher kennengelernt haben, haben uns mitgenommen und in der Nähe des Hostels abgesetzt). Somit war noch genug Zeit sich am Abend die nähere Umgebung anzusehen und noch was Essen zu gehen. Am nächsten Tag sind wir relativ früh raus und haben eine große Runde durch die Stadt gemacht und damit wohl viel raus geholt für die kurze Zeit. Wir haben sogar wilde Seehunde an den Ufern am Stadtrand gesehen. Im zentralen Park gab es ein Gehege mit für das Anden-Hochland typischen Tieren. Rundherum gab es nur Wüste. Der Stadtkern war sehr modern und herausgeputzt, die Viertel rundherum waren eher heruntergekommen, fast schon etwas Slum-mäßig.

In Chile steckt sehr viel Europa, so zumindest unser Eindruck nach einem Tag in Iquique: die Preise und die enorme Auswahl in den Supermärkten, die überwiegend europäischstämmige Bevölkerung, der geordnete Verkehr: man muss sich vorstellen, als wir am Zebrastreifen gestanden sind und die Straße überqueren wollten, sind die Autos tatsächlich stehen geblieben. Wir konnten es anfangs gar nicht glauben. Hört sich vielleicht banal an, aber das war für uns etwas ganz Besonderes nach über 5 Monaten auf Reise, darunter überwiegend Länder, wo auf der Straße das “Recht des Stärkeren” gilt und da steht man als Fußgänger ganz weit hinten und muss entsprechend aufpassen. Wir haben uns zuerst gegenseitig angesehen und sind dann zögerlich über die Straße gegangen. Das haben wir dann noch 3 bis 4 Mal wiederholt, bis wir überzeugt waren, dass es sich nicht um einen Zufall gehandelt hat.

Gegen 16 Uhr mussten wir schon wieder am Flughafen sein, um unseren Flug nach Bolivien zu erwischen. Mehr war leider nicht drinnen, aber immerhin. Vielleicht ergibt sich ja ein anderes Mal noch eine Gelegenheit, mehr von diesem Land zu sehen: insbesondere Patagonien im Süden Chiles hätte uns sehr interessiert.

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Ecuador

Nach fast 1,5 Monaten in der Karibik ging es endlich nach Südamerika, auf das wir uns schon von Anfang an sehr gefreut haben. Gestartet haben wir mit Ecuador, einem kleinen, aber sehr vielseitigen Land. Erstmals in Berührung gekommen mit Lateinamerika sind wir in Kuba – hier war aber alles wieder komplett anders, sodass wir – bis auf das bisschen Spanisch, dass wir gelernt haben – keinen Vorteil dadurch hatten.

Ecuador ist für seine vielseitige Landschaft bekannt, die in vier Regionen eingeteilt ist:

- Costa, das Küstentiefland
- Sierra, das Andenhochland
- Oriente, tropisches Regenwaldgebiet
- Galápagosinseln, vulkanische Inselgruppe im Pazifik, das besonders für die Vielfalt in der Tierwelt bekannt ist

So kann man hier sehr viel Verschiedenartiges erleben, ohne weit reisen zu müssen (ausgenommen Galápagosinseln). Wir haben uns hauptsächlich im Andenhochland aufgehalten, haben aber auch zwei Abstecher zur Küste gemacht. Die Trips zu den Galápagosinseln sind relativ teuer, und da wir unserem Zeitplan eh schon hinterher hinken, haben wir diese ausgelassen (außerdem sollte man sich ja auch was für spätere Reisen aufheben). Im Regenwald waren wir hier auch nicht, da wir dazu später noch genügend Gelegenheiten haben werden (Bolivien, Brasilien).

Quito
Begonnen haben wir in Quito, der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt (liegt auf rund 2850 m), wo wir auch länger geblieben sind, da man in direkter Umgebung sehr viel machen kann (im Rahmen von Tagesausflügen, ohne also immer mit dem gesamten Gepäck weiter ziehen zu müssen). Probleme mit der “Höhenkrankheit” hatten wir nicht, auch wenn uns in den ersten paar Tagen das Atmen etwas schwieriger gefallen ist. Quito an sich ist eine relativ moderne und interessante Stadt, mit vielen Parks und wo viel wert auf das Radfahren gelegt wird: Markierte Radstrecken ziehen sich durch die gesamte Stadt und jeden Sonntag werden viele Straßen für Autos gesperrt und sind nur mit Rad oder zu Fuß zugänglich.

Aus Quito aus besucht habe wir:

  • Cotopaxi: der zweithöchste Berg Ecuadors und einer der höchsten (noch aktiven) Vulkane der Welt, rund 50 km südlich von Quito. Hier sind wir bis auf eine Höhe von ca. 5000m gewandert, weiter wäre es nur mit entsprechender Ausrüstung (da knapp unter 5000m bereits der Gletscher beginnt). Runter ging es dann mit dem Mountainbike.
  • Pichincha: Auf dem “Hausberg” Quitos ging es sogar zwei Mal hinauf. Der Vulkan, der vor ungefähr 15 Jahren zum letzten Mal aktiv war, gilt heute als ein sehr sicheres Ausflugsziel. Vor nicht all zu langer Zeit wurde hier eine Seilbahn errichtet, die das Besteigen des Berges auch sehr erleichtert. Von etwa 3300m geht es dann bis auf 4100m. Von dort kann man bis auf die beiden Gipfel wandern, die auf etwa 4700m und 4800m Höhe liegen. Daher wir zum ersten Mal auf so einer Höhe wanderten, ging es für uns beim ersten Mal nur bis auf 4300m und beim zweiten Mal bis auf 4500m hinauf. Von oben hat man dann einen traumhaften Ausblick auf die in die Länge gezogene Hauptstadt.
  • Midad del Mundo: jene Stelle, durch die der Äquator verläuft (0° 0′ 0″). Hier wurde ein Monument und eine große Anlage mit allerlei Freizeitangeboten errichtet. Vor einigen Jahren wurde mit militärischem GPS (Experten aus den USA wurden eingeflogen) nochmals gemessen, und es hat sich herausgestellt, das es sich bei jener Markierung (Linie) beim Monument nicht um den Äquator handelt. Der tatsächliche Äquator befindet sich über 300 m entfernt, wo darauf hin ebenfalls ein Museum errichtet wurde (das wir auch besichtigt haben). Besonders spannend waren die Experimente: aus einem Wasserbehälter, der genau am Äquator steht, rinnt das Wasser einfach nach unten ab, ohne das sich ein Strudel bildet. Bewegt man diesen Wasserbehälter nur 2 – 3 Meter in den Norden, bildet sich ein Strudel gegen den Uhrzeigersinn (wie zB bei uns in Europa). Genau gegenteilig, wenn man den Behälter 2 – 3 Meter auf die anderen Seite des Äquators – also in den Süden – schiebt. Schon faszinierend, dass sich die magnetischen Kräfte schon auf einer derlei geringen Distanz bereits komplett entfalten!
  • Papallacta: Ecuador ist ja für die vulkanische Aktivität bekannt und entsprechend viele Heißwasserquellen gibt es hier. Wir haben uns eine in Papallacta ausgesucht, war zwar etwas weiter weg – aber bereut haben wir es nicht: zahlreiche Becken in verschiedenen Größen und unterschiedlichen Wassertemperaturen, eingebettet in nahezu unberührter Natur. Und da etwas abgelegen, war auch so gut wie nichts los, so dass wir uns hier einige Stunden komplett entspannen konnten.

Küste

Bereits 24 Stunden, nachdem wir auf 5000m Höhe am Gletscher bei ungefähr 0°C standen, waren wir auch schon auf Meereshöhe und lagen in Badehose – mit einer Kokosnuss in der Hand – am Strand in Canoa (bei gefühlten 32°C).

Canoa ist ein sehr kleines Fischerdorf an der Pazifikküste, dass lange Zeit auch sehr unbekannt war und auch heute als kleiner Geheimtipp gilt. Für uns war es der perfekte Ort, um wieder ein wenig Sonne und vor allem Wärme zu tanken. Vor allem hat man hier seine Ruhe und ist nicht der großen Menschenmasse wie in der Großstadt Quito ausgesetzt. Zwei Tage Entspannung und Erholung haben uns dann auch schon in Canoa am Strand gereicht und wir sind dann mit dem Bus weiter in den Norden – nach Esmeraldas – gereist.

Esmeraldas ist ebenfalls eine Küstenstadt am Pazifik – allerdings eine etwas Größere – mit etwa 120.000 Einwohnern das ebenfalls für den Fischfang, aber auch als Hafenstadt bekannt ist. Das sehr heiße Klima und der hohe Anteil an der afro-ecuadorianischer Bevölkerung verleihen der Stadt ein durchaus karibisches Flair. Esmeraldas gilt ebenfalls auch als die gefährlichste Stadt Ecuadors. Dies haben wir aber (zum Glück) nicht zu verspüren bekommen, auch wenn man uns an der Hotelrezeption mehrmals davor gewarnt und darauf aufmerksam gemacht hat, bestimmte Teile der Stadt strikt zu vermeiden und nicht zu besichtigen. Allerdings muss man auch sagen, dass man hier als “weißer” und vor allem als Tourist und / oder als nicht-spanischsprechender nicht sehr freundlich angesehen wird.

Ein Spaziergang durch die Stadt und ein kurzer Besuch am Stadtstrand “Las Palmas” haben uns dann auch schon gereicht und nach 2 Nächten in Esmeraldas ging es dann auch schon wieder zurück nach Quito, wo dann die Reise weiter in den Süden ging.

Bańos
Nach dem Aufenthalt an der Küste sind wir noch mal nach Quito, da wir hier versuchen wollten uns für ein Brasilien-Visum zu bewerben: zu unserer großen Überraschung war das kein Problem: 3 Tage und US$ 20 später hatten wir es bereits im Pass. Für Peru haben wir es ebenfalls  probiert, hier war aber leider nichts zu machen.

Dann ging es aber auch schon weiter nach Bańos: ein Kleinstadt, die direkt am Fuße des Vulkans Tungurahua liegt, mit sehr viel Natur rundherum. Hier sind wir viel gewandert und Rad gefahren (zB die “Ruta de cascadas”, über 70 km bis nach Puyo mit vielen Wasserfällen entlang der Strecke). Hier hat es uns sehr gut gefallen – auch befinden sich in Bańos gleich mehrere Thermen, sodass man einen aktiven, anstrengenden Tag entspannt im heißen Becken ausklingen lassen konnte. In Bańos haben wir dann auch erstmalig ein Meerschweinchen gegessen, das ecuadorianische Nationalgericht, genannt “Cuy”. Schmeckt zwar ganz gut, aber etwas anstrengend zu essen… naja, man sollte ja alles mal probieren. Während unseres Aufenthalts in Bańos ist der Vulkan Tungurahua ausgebrochen: nicht weiter tragisch, “nur” eine sehr hohe Rauchsäule… trotzdem eine ganz besondere Erfahrung, das aus unmittelbarer Nähe zu sehen und zu erleben… und nachdem die Einheimischen ruhig geblieben sind, haben wir uns auch nichts weiter dabei gedacht.

Riobamba
Nach Bańos ging es weiter nach Riobamba. Von hier wollten wir eigentlich mit dem Zug nach San Pedro de Alusi fahren (und von dort weiter nach Guayaquil) – soll ein ganz besonderes Erlebnis sein, da der Zug sich hier durch das Andenhochland windet und man sehr viel zu sehen bekommt. Leider war das nicht möglich, die Strecke wird gerade restauriert, da es einige Unfälle in den letzten Jahren gab und so mussten wir das von unserem Plan streichen. Des Weiteren wollten wir von hier auf den Chimborazo steigen, dem höchsten Berg (Vulkan) Ecuadors (6310m), was wir dann auch gemacht haben. Wir haben mehr oder weniger per Zufall einen Bergführer kennengelernt, der am nächsten Tag zur Basisstation am Chimborazo gefahren ist und uns für ein geringes Entgelt mitgenommen hat. Von dort sind wir dann allein weiter gewandert, so weit wir eben ohne professioneller Ausrüstung gekommen sind (laut GPS sind wir auf 5233 m [+/- 6m] Höhe gekommen).

Guayaquil
Unsere letzte Station in Ecuador war Guayaquil, die größte Stadt Ecuadors. Guayaquil hat uns sehr an Asien erinnert… irgendwie ganz und gar untypisch, zumindest was wir bisher von Südamerika gesehen haben. Die Stadt ist relativ modern und der wirtschaftliche Hotspot des Landes. Wir waren hier 2 Nächte und einen vollen Tag – der eine Tag hat auch vollkommen ausgereicht, um sich in der Stadt etwas umzusehen. Besonders interessant war der größte Stadtpark, wo zahlreiche Chamäleons und andere Tiere frei herumlaufen. Von hier ging unser Flug nach Bolivien (via Chile), der eigentliche Grund, warum wir überhaupt hier waren.

Resümee
Ecuador ist ein sehr interessantes Land, und obwohl es ein – für südamerikanische Verhältnisse – sehr kleines Land ist, wäre uns hier wohl auch nach einigen Monaten noch nicht langweilig geworden. Ecuador ist sehr einfach zu bereisen, die Infrastruktur ist gut, das Reisen ist sehr günstig (rund $ 1/Stunde, wenn man mit den öffentlichen Bussen reist). Ecuador an sich gehört weder zu den günstigsten noch zu den teuersten Destinationen, die wir während unserer Reise besucht haben… man kommt hier aber auf jeden Fall auf seine Kosten.

Was das Essen betrifft, hat man hier sehr viel Auswahl… von “Einheimischen-Restaurants”, wo man für 2 US-Dollar (offizielle Währung des Landes) ein komplettes Menü (Vorspeise, Hauptspeise, Salat, Getränk) serviert bekommt bis hin zu gehobeneren Restaurants und zahlreichen Fast-Food-Buden.

Besonders gefallen hat uns hier, dass an jeder zweiten Ecke ein Obst-Stand mit viel Auswahl zu finden war, wo man sich meistens auch leckere Fruchtsäfte (“Jugos”) oder Milchshakes (“Betidos”) mixen lassen konnte.

Auch bezeichnend für Ecuador: die Straßenkünstler, was wir in dieser Form auch noch nicht erlebt haben. An roten Ampeln wird dann jongliert oder Sonstiges aufgeführt, in der Hoffnung, ein paar Münzen von den wartenden Autofahrern zu erhalten.

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Jamaika

Nach etwa 10 Tagen in Kuba, haben wir uns auch schon die Weiterreise überlegt. Daher wir bereits in der Karibik waren und Jamaika für uns ein Land war, wo wir das Visum “on arrival” für US$ 20,- bekommen können, entschieden wir uns auch dieses Land zu bereisen und von dort dann weiter nach Südamerika.

Die erste Überlegung war ja von Kuba aus mit dem Schiff nach Jamaika zu reisen, aber daher das nicht möglich war, sind wir von Havanna aus über die Cayman-Inseln nach Kingston – die Hauptstadt Jamaikas – geflogen.
In Kingston sehr spät angekommen, haben wir uns nur schnell etwas für die erste Nacht gesucht und haben dann am nächsten Morgen dann eine vernünftige Bleibe gefunden. Bereits der erste Eindruck von Jamaika gab uns – nach Kuba – wieder einen Hauch von Normalität und Zivilisation. Es waren keine alten, rustikalen Autos mehr zu sehen, man fand wieder günstige Hostels, man hatte wieder freien Zugang zu Internet und vor allem nach dem ersten Besuch eines Supermarktes, hatte man das Gefühl wieder in Europa zu sein. Allein die großen, voll gefüllten Regale und die riesen Auswahl an Produkten, dass hatten wir auf der ganzen Reise nur selten gesehen. Vor allem nach ganzen 4 Wochen Aufenthalt in Kuba, war Jamaika eine bemerkbare große Wende. In Kingston haben wir dann auch sofort die Gelegenheit und die Zeit genutzt um ein paar Bilder auf unseren Blog zu laden und auch um ein paar Mails zu beantworten, was wir in Kuba nicht unbedingt machen konnten.

Den zweiten Tag in Kingston haben wir dann – wie üblich – dazu genutzt um uns die Stadt ein wenig anzuschauen und sind eine 25km lange Runde quer durch die Stadt spaziert. In Kingston war es nicht so einfach, wie in Kuba zum Beispiel, nicht als Tourist aufzufallen. Hier sticht man als hellhäutiger zwischen all den schwarzen Einheimischen sofort heraus. Wie wir bereits uns im Vorfeld etwas erkundigt hatten, ist man “als Weißer” in Jamaika, besonders in der Großstadt Kingston nicht wirklich gerne gesehen – dies haben wir beim Gehen durch die Stadt auch bestätigt bekommen. Man wird fast von jedem zweiten, bei dem man vorbeigeht, komisch und nicht wirklich mit einem freundlichen Blick angeschaut. Auch das wir in einer der gefährlicheren Städte der Welt waren, haben wir auch sofort bestätigt bekommen. Allein die Polizisten sind ausgerüstet als würden sie in einen Krieg einziehen – die Maschinengewähre immer in Position, kugelsichere Westen und keine Hüte wie man sie von gewöhnlichen Polizisten kennt, sondern Helme. Man hört auch das es in Kingston öfters zwischen den Gangs zu Schießereien kommt – vor allem im Stadtteil East-Town durch den wir auch spaziert sind, allerdings erst später davon erfahren haben wie gefährlich es dort ist bzw. sein kann.

Auf ganz Jamaika leben ungefähr 2,7 Mio. Menschen, wobei fast die Hälfte davon (etwa 1,2 Mio.) im Großraum von Kingston lebt. Man merkt auch hier wieder die Armut besonders stark. In den Parks geht man sehr oft bei Obdachlosen vorbei die sofort einen anbetteln wenn man bei denen vorbeigeht. Amtssprache auf Jamaika ist “normalerweise” Englisch. TV- und Radio-Sendungen werden auf klarem Englisch übertragen, auch die Zeitung und alle Werbeplakate sind auf Englisch. Verbreitet ist jedoch die Sprache “Patois” oder auch “Patwa” genannt. Dies ist – um es einfach zu erklären – ein “undeutliches Englisch”, was für einen der der englischen Sprache mächtig ist, wirklich schwer, bis kaum zu verstehen ist und auf Dauer auch sehr anstrengend bzw. nervig ist.

In Kingston haben wir uns zu einem nur die Stadt angesehen und dann haben wir unter anderem einen “Geheimtipp” von einem Mitbewohner bekommen, dass es etwa 15min von Kingston entfernt eine kleine Insel gibt, die sehr schön sein soll. Am Tag darauf haben wir uns dann auch auf den Weg, auf die Insel namens “Lime Cay” gemacht und man muss sagen, es war einfach traumhaft. Man fährt mit dem öffentlichen Bus zum Hafen und von dort wird man mit dem Boot zur Insel gebracht und bevor man das Taxiboot verlässt, muss man sich ausmachen wann es einen wieder abholt. Auf der Insel dann angekommen, waren wir total begeistert. Die Insel war so klein, dass man diese in 10 Minuten komplett umgehen konnte. Auf dieser kleinen, verlassenen Insel haben wir uns dann etwa 4 Stunden ausgeruht und auch entspannt, bevor es dann wieder zurück nach Kingston ging.

Die weiteren Spots die wir auf Jamaika besichtigen wollten, haben wir so gewählt, dass sie für uns praktisch am Weg sind. Der bereits in Kuba gebuchte Flug nach Ecuador ging von Montego Bay, eine Stadt im Westen der Insel. Der nächste Stopp war dann die höchste Erhebung Jamaikas, die Blue Mountains. Dort sind wir in einem Dorf angekommen, wo wir dann bei einem Rastafari für 2 Nächte gewohnt haben. Von diesem Dorf aus, das auf etwa 1200 Meter Höhe lag, starteten wir am nächsten Morgen um 4:30 in der Früh und wanderten rauf bis auf den Gipfel der Blue Mountains, der auf etwa 2250 Meter Höhe liegt. Leider hatten wir den ganzen Weg rauf und auch den Weg

hinunter nur Regen und die schöne Aussicht, über ganz Kingston und sogar bis nach Kuba von der Spitze aus, hat uns das graue, bewölkte Wetter nicht zugelassen. Kurz bevor wir wieder im Dorf angekommen waren, hat es wettermäßig etwas besser ausgesehen und die Sonne hat sich wieder blicken lassen und uns so auch ein wunderschönes Foto ergeben. Nämlich ein schöner, bunter, wie aus Bilderbuch gemalter Regenbogen hat sich über das Dorf gebildet, was man so wirklich sehr selten zu sehen bekommt.

Von den Blue Mountains ging es weiter nach Port Antonio, eine Stadt an der Nord-Küste Jamaikas und liegt etwa 100km nördöstlich von Kingston. Port Antonio hat den drittgrößten Hafen auf Jamaika (nach Kingston und Montego Bay) und wird zumeist als Verschiffungshafen für Bananen und Kokosnüsse genutzt. Hier haben wir uns in der Umgebung einige Wasserfälle angeschaut und uns dann nach 4 Tagen auch schon auf den Weg nach Montego Bay gemacht.
Die Fahrt nach Montego Bay – eine Fahrt von etwa 200km – hat dann fast viereinhalb Stunden gedauert. Daher es von Port Antonio keine Direktverbindung nach Montego Bay gab, hat man von einer Stadt in die nächstgrößere mit einem Sammeltaxi fahren müssen. Nach 4 mal umsteigen sind wir dann auch an unserem Ziel angekommen. Montego Bay  hat im großen und ganzen nicht viel zu bieten, den zweiten internationalen Flughafen, den zweitgrößten Hafen der Insel und sehr viele riesige Hotel-Resorts, bei denen wir auf der Fahrt in die Stadt vorbeigefahren sind. Somit war diese Stadt für uns nur ein Aufenthalt um den Flug nach Ecuador zu erwischen und nicht mehr. Wir sind zwar durch die Stadt gegangen, aber an viel sehenswertes sind wir nicht vorbei gelaufen. Den zweiten Tag haben wir dann ein wenig noch am Strand verbracht und auch noch die Sonne und Wärme genossen, weil am nächsten Morgen ging es dann nach Quito und dort waren die Temperaturen wieder alles andere als karibisch.

Resümee:
Jamaika war auf alle Fälle eine Reise wert. Die 10 Tage, die wir auf der Insel verbracht haben, haben uns einen deutlichen und auch einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen. Allein das “Marihuana-Klischee” in diesem Land hat sich mehr als bestätigt. Du gehst durch die Straßen und siehst einen Bauarbeiter oder Gärtner, der gerade beim Arbeiten ist, hat aber keine Zigarette im Mund, sondern einen Joint. Man geht durch Märkte und riecht an jedem zweiten Stand den Geruch von Gras – und keinen stört bzw. keinen interessiert es – es ist völlig normal.
Kostentechnisch ist Jamaika sogar ein wenig mit Mitteleuropa zu vergleichen. In den Supermärkten herrschen ganz normale Preise, so wie wir sie zu Hause kennen. Auch was das Übernachten angeht, zählt Jamaika nicht zu den billigsten Ländern auf unserer Reise.
Das es in Jamaika gefährlich sein soll und die Kriminalität ebenfalls sehr hoch ist, war uns von Anfang an klar und somit haben wir dieses Land auch mit sehr viel Vorsicht bereist und zum Beispiel selbstständige Spaziergänge spät Nachts und verlassene Gegenden auch vermieden.
Reisebusse gibt es auf Jamaika nicht, sondern es gibt überfüllte Mini-Busse mit denen man von einer Stadt zur anderen fährt. Man stellt sich das am Besten so vor: Ein normaler VW-Bus, der üblich für maximal 9 Personen zugelassen ist, wird in Jamaika für 19 erwachsene Personen eingesetzt. Kinder werden hier nicht gezählt, weil diese haben am Schoß Platz. Und wenn man jetzt auch noch einen großen Rucksack oder Koffer bei sich hat, so muss man diesen am Schoß halten und so kann es schon mal zu einer längeren, stundenlangen und sehr ungemütlichen Fahrt kommen, bei der man sich schon nach 30 Minuten wünscht am Ziel angekommen zu sein.

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Kuba

Da waren wir nun also… in einem der letzten sozialistischen Staaten, dem Land der Revolution, Improvisation und Lebenskünstler. In einem Land, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint oder wo die Uhren zumindest (sehr viel) langsamer gehen. Und auch erstmalig auf (nord)amerikanischem Boden.

Und gleich, wenn man den Flughafen verlässt, wird man damit konfrontiert: sehr alte Cadilecs, Pontiacs, Fords, Dodges etc. prägen hier das Straßenbild, wie man es nur aus alten (US-)Filmen kennt. Dazwischen auch alte Ladas (Russland bzw. Sowjetunion) und vereinzelt Modelle europäischer Marken, die in den 50er/60er Jahren angesagt waren. Dazwischen nur wenige neuere Modelle.

Woran man sich gleich gewöhnen sollte: in Kuba gibt es zwei Währungen… den “Cuban Peso National” (CUP) und den “Cuban Peso Convertibile” (CUC). Der CUP ist die Standard-Währung, in der Kubaner ihr Gehalt bekommen und mit dem Güter des alltäglichen Bedarfs erworben werden können. Alle sogenannten Luxusgüter (darunter auch alle touristischen Leistungen) müssen mit dem CUC bezahlt werden (und sind somit für sehr viele Kubaner unerschwinglich). Das ist uns auch erstmalig passiert, dass es in einem Land zwei verschiedene Währungen gab und dass ironischerweise ausgerechnet im kommunistischen, klassenlosen Kuba. Der CUC ist an den US-Dollar gebunden und dient als Stütze für die eigene (sehr schwache) Währung. Bei den Preisangaben wird für beide Währungen das $-Symbol verwendet, so dass man gut aufpassen muss, nicht mit der falschen Währung – und damit deutlich zuviel (ein CUC entspricht 25 CUP) – zu bezahlen… aber dafür kriegt man relativ schnell ein Gefühl.

Die Hotels in Kuba sind extrem teuer, so etwas wie Hostels bzw. Guesthouses gibt es nicht. Als Alternative haben sich die “Casas particulares” etabliert: Besitzer privater Häuser/Wohnungen, die Zimmer bzw. zum Teil ganze Apartments vermieten. Darunter gibt es welche, die an Touristen vermieten (spezielle Lizenz notwendig) und solche, die an Kubaner vermieten (wie in vielen anderen Bereichen wird da streng unterschieden)… das signalisiert ein Symbol an der Eingangstür, das entweder rot (nur Kubaner) oder blau (nur Touristen) ist. Der Preisunterschied ist gewaltig! Als Tourist zahlt man hier 20 bis 30 CUC, etwas Günstigeres ist so gut wie nicht zu finden. Was uns aber sehr gut gefallen hat, ist, dass man in den Casas particulares sehr eng mit den Einheimischen zusammenlebt und dadurch einen sehr tiefen Einblick in den Alltag der Kubaner bekommt.

Was uns auch gefallen hat: hier in Kuba waren wir nicht direkt als Touristen erkennbar bzw. erst wenn wir den Mund aufgemacht haben. Die Einwohner Kubas sind größtenteils europäischer Abstammung, und da wir von unserer bisherigen Reise bereits schön braun gebrannt waren, war da nicht wirklich ein Unterschied zur Mehrheit der Kubaner erkennbar. Schwierig war es mit der Sprache, da man hier mit Englisch nicht wirklich weit kommt… nach einiger Zeit konnten wir aber zumindest die notwendigsten Dinge (was zum Essen kaufen, Unterkunft organisieren, Alltags-Floskeln, nach dem Weg fragen etc. und ganz wichtig: die Zahlen) mit unserem minimalen Spanisch handeln.

Kuba ist sehr laut und sehr viel spielt sich auf den Straßen ab. Durch die Straßen ziehen oft Händler mit selbst gebastelten Karren, die diverse Güter (Gemüse, Obst, Brot, Eier, Kuchen etc.) anbieten und das auch lauthals (bis spät in die Nacht) verkünden. Aus vielen Wohnungen tönt laute Musik, an den Straßenrändern wird sehr oft in kleinen Gruppen Domino gespielt und dazu Rum getrunken… so eine kleine Domino-Truppe ist oft einige Blocks weit zu hören und auch ansonsten geht es hier immer zu und es ist laut. Die uralten Autos sind auch nicht gerade die leisesten und es wird sehr viel gehupt. An das muss man sich auch erst mal gewöhnen, besonders was den Schlaf betrifft – Fenster aus Glas gibt es hier nicht (ist wohl klimatisch bedingt) und so dringt der Lärm unvermindert durch.

Improvisation gehört hier ebenfalls zur Tagesordnung. Ein gutes Beispiel sind die bereits erwähnten alten Autos, die jetzt schon seit Jahrzehnten gehegt und gepflegt werden. Das natürlich nicht, weil es sich die Leute hier auf Oldtimer stehen, sondern weil man schlicht keine andere Wahl hat. Es war lange Zeit für die Kubaner verboten, neue Autos zu kaufen und selbst jetzt, wo es erlaubt ist, können es sich nur die allerwenigsten leisten. Das durchschnittliche Monatsgehalt eines Kubaners beträgt $ 25, ein Auto ist ab $ 20.000 zu bekommen… da auf ein Auto zu sparen ist völlig unrealistisch. Besser steigen jene aus, die im Tourismus-Bereich tätig sind, und damit auf paar hundert $ im Monat kommen. Aber auch in anderen Bereichen wird alles ewig aufbehalten und weiterverwendet und das Ergebnis ist oft sehr kreativ. Ein Beispiel: die “Bici-Taxis” (insbesondere in Havanna): alte Fahrräder werden so umgebaut, dass hinten zwei Passagiere mitgenommen werden können. Als Sitze dienen alte, ausrangierte Auto- oder Bussitze, als Lenker werden oft Lenkräder von alten Autos eingebaut etc. Klar passiert dies alles aus Mangel an Alternativen – hat aber auch seine positiven Seiten, da sehr nachhaltig und nicht alles gleich weg geschmissen wird und insofern hat Kuba nicht zufällig (wenn wohl auch nicht ganz beabsichtigt) den besten Wert beim “Ökologischen Fußabdruck” und ist laut dieser Studie das einzige Land weltweit das weniger Ressourcen verbraucht als reproduziert werden können.

Typisch für die kubanische Küche sind Pizzas, Burger/Sandwiches aller Art und verschiedene Reis-Gerichte. Das Frühstück besteht in der Regel aus einem Omelett mit Brot und Früchten. Das “Streetfood” hier in Kuba war das mit Abstand günstigste der gesamten Reise. Kleine Pizzas (nach 2 – 3 davon ist man satt) und Sandwiches kriegt man ab 5 CUP (rund 0,16 €), aber es gibt auch (äußerst rustikale) Restaurants für Einheimische wo man für 15 bis 25 CUP richtig ausgiebig essen kann: Vorspeise, Hauptgang (in der Regel werden verschiedene Reis-Gerichte angeboten), Salat, Getränk und oft sogar eine Nachspeise… das alles für umgerechnet rund 0,50 bis 0,75 €. Natürlich gibt es auch gehobene Restaurants mit großer Auswahl und wo man mit CUC bezahlt… dort ist man dann in etwa auf europäischem Preisniveau. Auch gibt es in Kuba extrem viele sehr dicke Menschen aufgrund des eher ungesunden Essens (sehr fettig und sehr viel süßes)… aber wohl auch wegen der Gemütlichkeit ;) Das Streetfood wird sehr oft direkt aus dem Wohnzimmer-Fenster verkauft, welches zu einem minimalistischen Verkaufsstand umgebaut wird… die Mittagsmenüs kriegt man entweder in einem Pappkarton serviert oder man wird hereingebeten und isst in der Küche der jeweiligen Familie. Noch ein letztes Preis-Beispiel: ein Espresso (Kaffee) kostet an solchen Wohnzimmer-Verkaufsständen umgerechnet ganze 0,03 €.

Route
Unser Kuba-Aufenthalt hat in Havanna begonnen und die Route führte bis nach Santiago de Cuba (die Kulturhauptstadt Kubas), ganz im Osten, mit Zwischenstopps in Santa Clara und Trinidad, wo wir jeweils für paar Tage geblieben sind. Ursprünglich wollten wir von Santiago de Cuba weiterreisen: entweder mit Fähre nach Haiti oder Jamaika oder eben – wenn es nicht anders geht – mit Flugzeug. Wir haben bereits bevor wir nach Kuba aufgebrochen sind recherchiert und erfahren, dass es keine Fähren-Verbindungen von/nach Kuba gibt, dachten aber, evt. können wir vor Ort etwas in Erfahrung bringen…. Fehlanzeige! Also doch wieder mit dem Flugzeug… da es aus Santiago de Cuba keine vernünftigen Flüge gab, haben wir uns wieder nach Havanna begeben, wo wir unseren Kuba-Aufenthalt ausklingen haben lassen und von wo wir dann nach Jamaika geflogen sind.

Resümee
Kuba war auf jeden Fall – nach über 3 Monaten in Asien – eine neue, komplett andere Erfahrung. Das soziale Klima hier ist wesentlich rauer, nicht so zurückhaltend/schüchtern wie in Asien, sehr temperamentvoll und man kommt einander viel schneller Näher und genießt Freundschaft und Hilfsbereitschaft (als würde man sich schon ewig kennen). Kuba hat einen ganz besonderen Charme und viele Besonderheiten, die man in der Form wohl kaum wo anders findet.

Das “Kubanische Modell” (der kubanische Sozialismus) würden wir im Ansatz als Positiv bezeichnen, hat aber auch sehr viele negative Auswirkungen. Zu den Positiven würden wir jetzt mal das Bildungssystem, Gesundheitswesen sowie die Grundversorgung (“Libreta”) zählen.

Das Bildungssystem ist in Kuba für jeden zugänglich und kostenlos. Das geht so weit, dass der Staat sogar die Unterkunft finanziert, sofern die angestrebte Studienrichtung nicht im jeweiligen Wohnort angeboten wird. Gleichzeitig ist es aber sehr streng: man hat während des Studiums jedes Jahr eine Hauptprüfung, zu der man maximal zweimal antreten darf, gelingt es auch beim zweiten Versuch nicht, fliegt man komplett raus. Dies gilt natürlich nicht für die Pflichtschule. Insgesamt schneidet das kubanische Bildungssystem im internationalen Vergleich (laut Erhebungen der UNO etc.) gut aus und ist zu den Erfolgreichsten (zum Teil mit Abstand) in Lateinamerika zu zählen.

Ebenso das Gesundheitswesen, das – für ein Entwicklungsland – sehr gut entwickelt ist und in vielen Bereichen mit den sogenannten Industriestaaten mithalten kann. Die Lebenserwartung in Kuba übertrifft sogar den einen oder anderen Industriestaat. Das kubanische Gesundheitswesen setzt sehr stark auf Prävention (wohl auch aus Kostengründen) und ist ebenfalls kostenlos: Vorsorgeuntersuchungen, jegliche Behandlungen, Krankenhausaufenthalte und Medikamente – alles unentgeltlich. Die Kubaner tragen lediglich die Kosten für Medikamente außerhalb eines Krankenhausaufenthaltes – aber auch hier nur eine Rezept-Gebühr und nicht den eigentlichen Preis.

Und dann noch kurz zur Grundversorgung, der “Libreta”: jede Familie bekommt jeden Monat so eine Art Gutschein-Heft (abgestimmt auf die Familiengröße), wo man eine bestimmte Menge an diversen Lebensmitteln und sonstigen Alltagsgütern erhält. In der Regel reicht es nicht für den ganzen Monat, ist aber für viele Familien eine große Stütze und wirkliche Armut – wie wir sie fast sonst überall auf unserer Reise angetroffen haben – gibt es hier nicht.

Soweit mal zu den positiven Seiten/Ansätzen des kubanischen Modells… natürlich gibt es dann auch noch die Schattenseite(n): dies alles kostet Kuba eine Menge Geld, und da Kuba wirtschaftlich ohnehin schon aus allen Löchern pfeift, wird das wohl nicht auf Dauer zu halten sein bzw. ist schon jetzt nur bedingt und mit vielen Kompromissen und durch Unterstützung durch Drittstaaten bzw. internationale Organisationen möglich. Engpässe und lange Warteschlangen gehören hier zum Alltag. Es ist praktisch unmöglich alle Besorgungen an einem Tag zu erledigen, da immer etwas nicht vorrätig ist- und das oft für Wochen. Kuba muss rund 80 % der Lebensmittel importieren, obwohl sich hier ideale Bedingungen für Landwirtschaft vorfinden… das kubanische Modell ist ineffizient. Das hat auch die kubanische Regierung eingesehen und daher ist seit einigen Jahren Privatwirtschaft in einigen Bereichen erlaubt. Seitdem hat sich die Situation etwas gebessert, es wird aber wohl noch Jahr(zehnt)e brauchen, bis das alles in Schwung kommt. Wer sich in Kuba selbstständig macht, braucht einen langen Atem… für alles gibt es strenge Auflagen, jede Erweiterung muss von den Behörden abgesegnet werden, was sich über Wochen und Monate ziehen kann. Wir gehen davon aus, das es Kuba – dass bereits stark im Wandel ist – in der aktuellen Form nicht mehr lange geben wird und das hier in 10 – 20 Jahren ein ganz anderer Wind wehen wird.

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Gestrandet auf Bali

Nachdem jetzt rund drei Monate alles wie am Schnürchen gelaufen ist und wir keinerlei Probleme mit (Grenz-)Behörden gehabt haben, sind wir hier erstmals an unsere (eigentlich: ihre) Grenzen gestoßen.

Wäre es wie geplant abgelaufen, wären wir nur eine Nacht auf Bali gewesen: hier befindet sich der zweitgrößte Flughafen Indonesiens und insofern eine praktische Sache für uns – wir konnten uns von Jakarta bis hierher vorarbeiten und mussten somit keine Zeit für die Rückreise nach Jakarta “verschwenden”.

Begonnen hat alles damit, dass wir einen Tag vor Abflug eine Erinnerungsmail von “Virgin Australia” bekommen haben – in dieser Mail war aber nicht von dem ursprünglich gebuchten Flug via Sydney nach Auckland (kurz vor Mitternacht) die Rede, sondern von einem Flug via Brisbane nach Auckland (um 17:25). Hat uns zwar verwirrt, da wir aber rechtzeitig hier waren, war es kein Problem für uns, schon früher zum Flughafen zu fahren und die Lage vor Ort zu klären. Gesagt, getan. Am nächsten Tag beim Check-In sagte man uns, dass wir nicht für diesen Flug gebucht sind und dass wir das Virgin Australia-Büro (am Flughafen) aufsuchen sollen… zu diesem Zeitpunkt dachten wir dass es sich um einen System-/Computer-Fehler handelt und wir wie geplant mit dem ursprünglich gebuchten Flug unsere Reise fortsetzen können. Wir waren nicht glücklich über den Vorfall aber noch herrschte Optimismus.

Beim Virigin Australia-Büro angekommen, sagte man uns, dass wir auch für den zweiten Flug nicht gebucht sind. Da wir aber eine gültige und bestätigte Buchung (vom 4.1.2013, rund 1,5 Monate vorher!) hatten, hat man uns wieder für den ursprünglichen Flug registriert. Einige Stunden später standen wir somit ein zweites mal in der Schlange… und ein zweites mal ließ man uns nicht an Board. Begründung: Sind mehr als 8 Stunden zwischen den Flügen, benötigt man für Australien ein Transit-Visum. Erstmalig machte sich Skepsis breit und erstmalig hatten wir Angst einen Flug zu “verpassen”. Aber beim Check-In war nichts zu machen… also wieder zum Virgin Australia-Büro. Wir hatten die Schuld bei den Angestellten vor Ort vermutet, da wir ja vom “System” auf den anderen Flug (via Brisbane, mit weniger als 8 Stunden Aufenthalt) umgebucht wurden… da wir nicht locker gelassen haben, hat man uns – ohne zusätzlicher Gebühren – für den Flug via Brisbane am nächsten Tag registriert (bei dieser Variante beträgt der Aufenthalt in Australien lediglich 2 Stunden). Die Nacht haben wir am Flughafen verbracht und eine sehr nette Bekanntschaft gemacht: Prita, eine Indonesierin, die in Perth (Australien) studiert hat und aktuell lebt und ebenfalls sehr viel reist ( http://lonelyprita.blogspot.com - sie hat ebenfalls über dieses Erlebnis geschrieben ). Die interessanten Gespräche ließen die Nacht sehr schnell vergehen und somit standen wir nach einer kurzen Nacht und einem sehr langen Tag ein drittes mal in der Schlange.

Und ein drittes mal ließ man uns nicht an Board… erst jetzt hat man uns erzählt, dass wir mit bosnischem Pass generell ein Transit-Visa für Australien benötigen. Bitter! Und somit  unser eigenes Verschulden! Dennoch ärgerlich, dass man uns das nicht schon früher sagen konnte. Inzwischen hatten wir aber die Sympathie der Angestellten her gewonnen… oder man hatte einfach Mitleid mit uns… wie auch immer: sie haben uns ein weiteres mal für einen anderen Flug und ohne zusätzlicher Gebühren registriert. Allerdings schon am nächsten Tag – sie meinten das es schon ähnliche Fälle gab und das es möglich sein sollte das Visum innerhalb eines Tages zu bekommen. Also sind wir gleich nach Denpasar (Hauptstadt der Provinz Bali) aufgebrochen, wo sich das australische Konsulat befindet und haben im einzigen Hotel dass wir (in der Nähe der Botschaft) finden konnten eingecheckt. Das war das beste Hotel der gesamten Reise (bisher) und lag nur unwesentlich über unserem üblichen Budget. Erst vor kurzem errichtet, geräumig, extrem guter Service (das Frühstück hat man uns ans Bett serviert). Zumindest ein kleiner Trost in diesen bitteren Stunden! ;)

Am nächsten Tag standen wir schon sehr früh vor dem australischen Konsulat. Dort haben wir erfahren, das die Visa-Abteilung an ein Privatunternehmen ausgelagert wurde, südlich des Flughafens, also in etwa dort, wo wir gestern waren (rund 30 km entfernt). Obwohl wir uns sicher waren, das uns dieses Büro (ohne jeglicher Befugnis – die Bewerbungen werden dort nur “eingesammelt” und oberflächlich überprüft… und in Folge an die Botschaft in Jakarta gesendet) in diesem speziellen Fall (und vor allem kurzfristig) nicht helfen kann, wollte man uns im Konsulat keinen Termin geben. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als uns in ein Taxi zu setzen, schnell unser Zeug im Hotel einzusammeln und zu diesem Büro zu fahren. Und so war es dann auch… dort konnte man für uns nichts tun, außer das Antragsformular (das wir schon am Abend zuvor vollständig ausgefüllt hatten) unter den üblichen Bedingungen (Bearbeitungszeit rund 3 Tage) an die Botschaft zu übermitteln. Also zurück zum Flughafen um den Flug ein weiteres mal zu verschieben – was tatsächlich ein weiteres mal ohne zusätzlicher Gebühren funktioniert hat.

Zwei Tage später standen wir wieder am Flughafen – hatten aber trotz einigem intervenieren bei der australischen Botschaft noch keine Antwort. Man hat uns gesagt, dass sie es versuchen werden, den Fall vor unserem Abflug zu bearbeiten – man kann uns aber nichts versprechen. So standen wir schon zum vierten mal in der Schlage vor dem Check-In… und kurz bevor wir dran waren, ist auch tatsächlich eine Antwort gekommen (auf dem Flughafen gab es zu unserem Glück überall gratis WiFi): Abgelehnt. Begründung: “Having taken into account all information provided, I am not satisfied that you have demonstrated that your principal purpose to enter into Australia is to pass through Australia in transit to another country is genuine“. Wüten und Enttäuscht zugleich haben wir die Warteschlange verlassen – das war es wohl mit Neuseeland. Ein Neuseeland-Visum, auf das wir einen Monat warten mussten und für das wir uns viel angetan haben, gültig für genau diesen Monat und ein Ein- sowohl Ausreise-Ticket (lediglich 2 Stunden nach Einreise) für Australien sind nicht Beweis genug? Zudem mussten wir Kopien von allen Seiten in unseren Pässen übermitteln, die mehr als deutlich belegen dass wir uns aktuell auf einer längeren Reise befinden. Auch die Angestellten vom Virgin Australia-Büro konnten es nicht glauben – wir hatten alles eingereicht, was für ein Transit-Visum notwendig ist. Und da es ein kombinierter Flug des selben Anbieters war, mussten wir nicht mal den Transit-Bereich auf dem Flughafen in Australien verlassen. Hilft alles nichts… abgelehnt ist abgelehnt, Einspruch nicht gestattet laut Antwortschreiben.

Über das Wochenende haben wir uns dann zurückgezogen um uns zu überlegen, wie es weitergehen soll. Neuseeland war für uns zu diesem Zeitpunkt definitiv gestorben, spätest-mögliche Einreise (laut Visum) war jetzt verstrichen. Den Trans-Pazifik-Flug nach Chile (der bisher mit Abstand teuerste Flug) können wir stornieren – allerdings fallen dabei Stornokosten von rund € 200 pro Ticket an. Insofern haben wir uns überlegt, einen Direktflug nach Neuseeland zu buchen, am selben Tag wo dann unser Flug von Auckland via Sydney nach Chile geht und uns eben erneut für ein Australien-Visum für diesen Flug zu bewerben (Transit durch Neuseeland ist – selbst mit bosnischem Pass – möglich, wenn der Anschlussflug innerhalb von 24 Stunden statt findet). Wir dachten uns das es evt. deswegen abgelehnt wurde, weil es zu kurzfristig war und wir zu viel interveniert haben.

Also haben wir am Montag nochmal eine Transit-Visa-Bewerbung eingereicht und uns in Folge auf den Weg nach Jakarta gemacht, da wir dort sowohl wegen Flügen als auch wegen Botschaften (um weitere Möglichkeiten zu prüfen) besser dran sind. Um das  Ganze etwas abzukürzen: am Freitag, also 5 Tage später, haben wir die Antwort von der australischen Botschaft bekommen: erneut abgelehnt (mit der gleichen Begründung). Sind dann gleich zur Botschaft gefahren um um einen Termin anzufragen, damit man uns erklärt, was genau das Problem ist – dort hat man uns aber nicht rein gelassen (mit der Begründung dass der Fall erledigt sei). Willkür pur, den wir haben definitiv alle Anforderungen erfüllt… da war also nichts zu machen.

Da auch alle anderen Flüge aus Asien nach Chile kombinierte Flüge sind, mit Transit in Ländern, wo wir ein Transit-Visa benötigen (USA, Kanada, Australien), haben wir uns für eine Variante entschieden, die wir von Anfang an vermeiden wollten: via Europa nach Südamerika. Insofern haben wir auch andere Varianten geprüft (zB im Norden Lateinamerikas zu beginnen und sich in den Süden vor zu arbeiten) und haben da ein ganz gutes Angebot nach Kuba gefunden. Also haben wir den ursprünglichen Flug storniert und von dem, was wir zurück bekommen haben, alle Flüge (5 Flüge!) bis nach Kuba finanziert. Eigentlich pervers… und das System der Fluggesellschaften entbehrt sich auch jeglicher Logik: zB ist ein Flug bei der gleichen Gesellschaft günstiger, wenn man einen (oder mehrere) Zwischenstopp(s) einlegt, also, von Jakarta nach Singapur und von dort nach Hong Kong anstelle gleich von Jakarta (obwohl ein Direktflug angeboten wird) nach Hong Kong zu fliegen. Hier gilt scheinbar die Devise: desto ungemütlicher, desto günstiger. Einen wirklichen Vorteil für die Fluggesellschaften kann zumindest ich da nicht erkennen. Aber eine andere Möglichkeit gab es (in dieser Situation) nicht, wenn es weiter nach Lateinamerika gehen sollte. Also auf nach Kuba: Jakarta -> Singapur -> Hong Kong -> Istanbul -> Frankfurt -> Havanna. Good bye, Asien!

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Indonesien

Indonesien war so etwas wie die “Positiv-Überraschung” auf dieser Reise (bisher). Sehr herzliche, höfliche Menschen… überall wird man begrüßt, die Kinder winken einem zu… all dass, ohne das es aufdringlich ist. Und von der Natur bzw. Landschaft her sowieso unser absoluter Favorit. Im Gegensatz zu den letzten Ländern, die wir bereist haben, ist hier allerdings wieder sehr viel Armut anzutreffen… rund 27 % der Indonesier (also rund 65 Mio. Menschen) leben in Armut. Indonesien ist unser zweites und letztes mehrheitlich muslimische Land auf unserer Reise – und obwohl Indonesien das größte muslimische Land (nach Einwohnern) auf der Welt ist, ist es doch eine sehr gemäßigte Form des Islams, die hier praktiziert wird… hat uns sehr an Bosnien erinnert. Der Islam ist in Indonesien auch nicht Staatsreligion, sondern eine von fünf Religionen, von denen jeder Indonesier eine wählen muss (andere Religionen sind nicht zugelassen, es muss eine dieser fünf sein… was man dann im privaten glaubt bzw. praktiziert ist dann eine andere Geschichte). Mag sein das es radikalere Ecken gibt, aber zumindest auf Java haben wir es so erlebt (und Bali war schon wieder mehrheitlich hinduistisch).

Da wir für Indonesien ebenfalls nur knapp zwei Wochen eingeplant hatten, beschränkte sich unser Aufenthalt auf die Insel Java – und zum Abschluss noch rund 2 Tage Bali, da von hier unser Flug nach Neuseeland geht. Java ist die am dichtesten Besiedelte Insel Indonesiens, von den rund 240 Mio Einwohnern leben rund 130 Mio auf Java – also mehr als die Hälfte der Bevölkerung Indonesiens. Das liegt daran, dass Java aufgrund der regelmäßigen Vulkan-Ausbrüche in der Vergangenheit (und teilweise immer noch) besonders fruchtbar ist, hier wächst praktisch alles und ernten kann man bis zu vier mal im Jahr. Entsprechend wird auch jeder Zentimeter landwirtschaftlich nutzbarer Fläche auch bewirtschaftet… und “landwirtschaftlich nutzbar” sind hier selbst steilste Hänge, wo in Europa (oder auch anderswo) bestimmt niemand auf die Idee kommen würde, diese zu nutzen.

Jakarta
Unser Jakarta-Aufenthalt hat gleich mal mit einer Panne begonnen – im wahrsten Sinne des Wortes: Auf dem Weg vom Flughafen ins Zentrum hat es – auf der Autobahn – plötzlich laut geknallt und der Taxi-Fahrer ist sofort auf den Pannenstreifen ausgewichen: Reifen zerrissen. Nach rund 20 min war der Reifen gewechselt und es ging weiter. Jakarta ist die mit Abstand größte Stadt des Landes und extrem chaotisch… hat Erinnerungen an Indien geweckt! Es gibt auf der ganzen Welt keine Stadt dieser Größenordnung ohne U-Bahn oder anderwärtigem Schnellbahn-System. Entsprechend verstopft sind hier die Straßen. Und auch ansonsten… hier scheint nichts von langer Hand geplant worden zu sein… mehr oder weniger das absolute Gegenteil von Singapur – auch nicht gut! ;) In Jakarta haben wir ebenfalls die Nationalmoschee besucht, ein gewaltiges Bauwerk das bis zu 200.000 Menschen fasst (der Architekt war übrigens ein Christ – angeblich als Zeichen der Freundschaft zwischen den Religionen). Ansonsten sind wir relativ Ziellos durch die Stadt geschlendert und haben sie einfach auf uns einwirken lassen. Besonders krass ist der Kontrast im Zentrum, wo man nur wenige Gehminuten abseits der Hauptstraßen mit modernen Hochhäusern schon mitten in den Slums steht. Ein Highlight war natürlich auch der Besuch der Neuseeland-Botschaft, nachdem wir rund einen Monat auf das “Ok” gewartet haben. Eine große Erleichterung, als wir das Visum dann im Pass hatten.

Rund einen Monat bevor wir nach Jakarta gekommen sind, hat es hier – aufgrund sehr starker Regenfälle – die größte Überschwemmung seit Jahren gegeben. Dreiviertel der Stadt standen unter Wasser, zum Teil bis zu paar Metern. Haben natürlich auch Bilder davon gesehen… ganz schön heftig! Und viele der Straßen/Plätze auf den Bildern haben wir selbst passiert. Wie schon weiter oben geschrieben: nichts hier scheint von langer Hand geplant zu sein, so auch das Abwasser-System der Stadt… obwohl es immer wieder starke Regenfälle – und in Folge Überschwemmungen – gibt, wird es nicht erweitert, obwohl im aktuellen Zustand völlig unzureichend. Die Kosten, die allein das letzte Hochwasser verursacht hat, betragen ein vielfaches dessen, was der Ausbau des Kanal-Systems ausgemacht hätte (zudem es auch Todesopfer gegeben hat).

Bandung
Nächster Stopp auf unserem Weg Richtung Osten war Bandung, die viertgrößte  Stadt Indonesiens. Die Stadt hat uns allerdings nicht sonderlich interessiert, sie war lediglich Ausgangspunkt für die interessanten Spots rund herum. Hier haben wir das erste mal einen Vulkan bestiegen, den nicht mehr aktiven Tangkubanparahu, der allerdings immer noch schwefelhaltigen Dampf ausstößt… schon beim Aufstieg hat es entsprechend gerochen und die Vegetation in unmittelbarer Umgebung war ausgelöscht. Ein faszinierendes Bild… ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, welche Kräfte hier im Spiel waren und zu was die Natur fähig ist. Für den Vulkan-Besuch haben wir uns ein Moped ausgeliehen… eigentlich hatten wir mehr vor gehabt (heiße Quellen am Fuße des Vulkans, ein Wasserfall), leider haben wir lange gebraucht bis wir beim Vulkan waren, eine Reifenpanne hatten wir auch unterwegs (gehört hier scheinbar zur Tagesordnung) und dann war es leider schon zu spät für ein weiteres Abenteuer.

Pangandaran
Am nächsten Tag ging es auch schon weiter nach Pangandaran. Zuerst mit dem Zug bis nach Banjar, von dort mit einem “public bus” über Stock und Stein weiter nach Pangandaran, das an der Südküste Javas liegt. Eigentlich ein Spot für Surfer, aber deswegen waren wir nicht hier: hier gibt es einen sehr interessanten und schiffbaren Canyon durch den Dschungel, den “Green Canyon”. Weiters das “Green Valley”, ebenfalls im Dschungel gelegen, kann man hier in einem Fluß baden, der aus einer großen Höhle fließt, in die man auch schwimmen kann bzw. von den Klippen/Felswänden springen kann. Die vor Pangandaran vorgelagerte Halbinsel ist ein Nationalpark, den wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen wollten und wo man sehr schöne, “wilde” Strände findet. Und bis auf uns war hier auch niemand. Last but not least: die “Countryside”… Reisfelder und sonstige Plantagen in unmittelbarer Umgebung, dazwischen immer wieder kleine Dörfer.

Was in dieser Gegend besonders oft anzutreffen ist: da Indonesien ein armes Land ist und das Budget von vorne bis hinten nicht reicht, nehmen die Bürger oft Dinge in die Hand, für die eigentlich der Staat zuständig wäre. Daher sind die Straßen hier sehr oft mit einem Schranken gesperrt, den man erst gegen Entrichtung eines geringen Betrages passieren darf. Die Straßen wurden in diesen Fällen von der lokalen Bevölkerung errichtet und mit der Gebühr wird die Erhaltung finanziert. Selbes gilt auch für manche Brücken – oft notdürftig aus Bambus errichtet.

Probolinggo
Nach Pangandaran gings wieder mit dem public bus nach Banjar, von wo wir mit dem Nachtzug weiter nach Malang (Ost-Java) gefahren sind. Hauptziel hier war der sehr bekannte und immer noch aktive Vulkan “Bromo”, den wir im Rahmen eines Tagesausflugs aus Malang aus besichtigen wollten – haben aber paar Tage zuvor von einer Reisenden den Tipp bekommen, dass es aus Probolinggo näher und günstiger ist. Also sind wir nach dem Frühstück – nachdem wir die ganze Nacht durchgefahren sind – gleich in einen Bus gestiegen und sind weiter nach Probolinggo gefahren. Wir wissen nicht, wie es in Malang gelaufen wäre, aber wir zweifeln daran, dass es ein guter Tipp war ;) die Ho(s)tels waren völlig überteuert und wir haben lange gesucht, bis wir was passendes hatten. Und auch die Busse, die zum Bromo rauf fahren, wussten die “low season” gut zu nutzen: diese waren erst bereit los zu fahren, wenn der Bus voll war (was sich wohl selbst bis zum Abend nicht ausgegangen wäre)… oder aber alle anwesenden Fahrgäste waren bereit entsprechend mehr zu bezahlen um auch die leeren Plätze zu finanzieren. Nachdem wir kurzfristig keine andere Möglichkeit gefunden haben, um bis zum Bromo zu kommen und es sonst zu spät geworden wäre, haben wir nach rund einer Stunde das Angebot widerwillig angenommen… die anderen Fahrgäste zum Glück auch. Im nachhinein war es es allemal wert! Das Tengger-Hochplateau bzw. Nationalpark war einfach atemberaubend – der “Tengger”, ein gewaltiger Urvulkan, in dessen Krater sich im Laufe von Millionen Jahren vier weitere, kleinere Vulkane gebildet haben… einer davon eben der bekannte “Bromo”. Obwohl über 2000 m hoch, ist die Vegetation bis zum Krater-Rand sehr dicht – innerhalb des Kraters allerdings ist nur Wüste… vermutlich wegen des freigesetzten Schwefels, der von den “kleinen” Vulkanen ausgestoßen wird. Den – immer noch aktiven – Vulkan Bromo haben  wir dann auch bestiegen, für die anderen Vulkane hat die Zeit leider nicht gereicht. Etwas weiter weg war noch ein weiterer Vulkan zu sehen (dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt habe), der relativ verlässlich jede halbe Stunde ausbricht und eine riesige Rauchwolke in die Atmosphäre bläst.

Am letzten Tag auf der Insel Java (noch in Probolinggo) ist der Nermin noch zu einem ziemlich großen Wasserfall in der Nähe gefahren – ich bin ausnahmsweise mal im Hostel geblieben, weil ich beim Tempo der letzten Wochen gar nicht mehr wirklich zum schreiben etc. gekommen bin… als ich die Bilder dann gesehen habe, habe ich es schon wieder bereut. Dafür wurde er von einem richtig kräftigen Regen überrascht und war nass bis auf die Knochen, als er retour gekommen ist. ;)

Bali
Letztes Ziel in Indonesien war Bali, von hier hatten wir einen Flug nach Neuseeland (via Australien) – so konnten wir Java gemütlich bereisen, ohne wieder retour nach Jakarta zu müssen. Nach Bali sind wir mit einem Nachtbus gefahren… unsere erste längere Busfahrt in Indonesien – aber was für eine! Riskant und mit der Tachonadel immer auf Anschlag, an schlafen ist da nicht zu denken (ausgenommen die kurze Zeit auf der Fähre). Gut das wir die anderen (längeren) Strecken alle mit dem Zug gefahren sind! ;)

In Bali wollten wir – wie bereits geschrieben – zwei Tage (eine Übernachtung) bleiben. Geworden sind es über 10 – mehr dazu im nächsten Artikel (“Gestrandet auf Bali”).

Indonesien Kosten-technisch
Indonesien ist sehr günstig, wenn man sich abseits der “Touristen-Hotspots” bewegt bzw. manches auch dort, wenn man weiß, wie man es angeht ;) und man lässt das Geld ja auch lieber bei der “einfachen Bevölkerung” als bei den etablierten Touristen-Einrichtungen.

Hier ein kleines Beispiel: Mit 50.000 Rupiah in der Tasche (umgerechnet € 3,80) war ich heute Haare schneiden (15.000 Rupiah/€ 1,14), danach simple aber gut gegessen (Rindfleisch mit Reis und Gemüse) für 16.000 Rupiah (€ 1,22) und habe mir jetzt noch einen leckeren Java-Kaffee um 2.500 Rupiah (€ 0,19) gegönnt. Von den 50.000 Rupiah habe ich jetzt noch 16.500 übrig. Was sich jetzt pervers günstig anhört (ist es für uns auch), ist für den “Durchschnittsindonesier” sehr, sehr viel Geld. Aber der besagte “Durchschnittsindonesier” hat auch nichts davon, wenn man ein Vielfaches davon auf den geebneten Touristen-Pfaden (zB gehobenes Restaurant mit “westlicher” Küche und Englisch sprechender Belegschaft) lässt. Dann doch lieber so. Und die “Locals” sind auch immer sehr froh und haben eine Menge Spaß mit uns, wenn wir in eines der simplen Straßen-Restaurants einkehren.

Teurer sind Übernachtungen… hier haben wir 90.000 bis 165.000 für ein Zweibettzimmer pro Nacht gezahlt (€ 6,84 bis € 12,53, also € 3,42 bis € 6,27 pro Person)… geht auch günstiger, aber gewisse Ansprüche hat man dann ja doch. Teuer wird es auch, wenn man in abgelegene Gebiete will, wie zB auf einen Vulkan, hier gibt es kaum bis keine Alternativen für die “All-Inclusive-Touristen-Tour”, die von Ho(s)tels und Touristen-Agenturen angeboten werden. Hier mieten wir uns nach Möglichkeit ein Moped und schlagen uns auf eigene Faust durch, oder suchen uns zumindest jemanden der uns mit Moped oder anderwärtig hin bringt – ohne irgendwelcher (meist unnötigen) Zusatzleistungen. Manchmal gibt es auch einen “public bus”…erst wenn alle Stricke reißen und wir unbedingt hin wollen, wenden wir uns an die Agenturen. Das war in Indonesien nur einmal notwendig und selbst da haben wir uns aus eigentlich zwei verschiedenen Touren das für uns beste raus gepickt, haben einen äußerst symphatischen “Guide” erwischt, der sehr flexibel war und sich ganz nach uns gerichtet hat (war keine dieser Massenveranstaltungen, nur Nermin, der Guide und ich).

Resümee
Wie Eingangs schon geschrieben, war Indonesien auf jeden Fall eine positive Überraschung für uns und sowohl von den Menschen, der Landschaft und dem Essen her eines der bisherigen Highlights. Einige der Reisenden, die wir in den letzten Wochen und Monaten getroffen haben und die bereits in Indonesien waren, haben über das Wetter bzw. Klima hier geklagt – nahezu täglich Regen und das bei sehr hohen Temperaturen und sehr hoher Luftfeuchtigkeit… so wie in Malaysia auch schon. Das ist natürlich nicht für jeden angenehm. Mit dem Regen hatten wir aber auch hier Glück (bis auf wenige Ausnahmen) und an die Hitze und an das Schwitzen nach geringster Anstrengung haben wir uns inzwischen wohl schon gewöhnt. Ausgenommen beim schlafen – obwohl wir beide nicht große Freunde der Klimaanlagen sind und diese wo es nur geht gemieden haben, war es hier unumgänglich wenn man mal wirklich durchschlafen wollte.

Leider haben wir nur Java und bisschen was von Bali gesehen – aber mehr hat der Zeitplan nicht erlaubt. Wir können Indonesien absolut empfehlen, es soll uns aber niemand böse sein wenn es dann mit dem Wetter nicht so gut läuft wie bei uns ;)

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Singapur

Nach Singapur sind wir mit dem Zug eingereist – der Zug fährt direkt von Kuala Lumpur (Malaysia) aus auf die Singapur-Insel. Malaysia und Singapur sind über eine Autobahn-/Eisenbahn-Brücke verbunden… kurz vor der Brück bleibt der Zug stehen, da wandern dann die malaysischen Behörden kurz durch und überprüfen die Pässe etc. und dann geht es über die Brücke – der End-Bahnhof ist dann auch gleich die Grenzstation. Sehr bequem. Nachdem die Grenzformalitäten (“visa on arrival”) erledigt waren, haben wir erstmal gefrühstückt. Dann ging es weiter mit Bus bis zur nächsten Metro-Station und von dort mit der Metro rund eine halbe Stunde bis ins Zentrum.

Ich habe bereits vor der Reise eine Doku Namens “Singapur – die Schweiz Asiens” gesehen… und das ist keineswegs übertrieben. Eher stark untertrieben. Singapur ist eine extrem gut organisierte und streng geregelte Stadt. Man vergisst mit der Einreise sofort, dass man noch in Südost-Asien ist… die Straßen bzw. Stadt an sich ist übersichtlich, die Verkehrszeichen werden eingehalten und so etwas wie einen Stau scheint es hier nicht zu geben. Vor der Reise dachten wir immer, Hong Kong wird unser teuerster Aufenthalt… Fehlanzeige, Singapur stellt Hong Kong bei weitem in den Schatten…. die Preise hier sind einfach nur noch pervers! ;)

Singapur ist auch für seine sehr strengen, teils skurillen Gesetze bekannt. Schon auf unserem Visum ist freundlich (in roter Schrift und nicht zu übersehen) vermerkt, das uns bei Drogenschmuggel oder -konsum die Todesstrafe droht… nicht das wir das vorgehabt hätten, wirkt trotzdem etwas radikal. Auch in einem größeren Park mitten in der Stadt war ein Teil abgesperrt (vermutlich militärisches Gebiet, warum auch immer) – dort wurde man auch mit einem freundlichen Schild darauf hingewiesen, dass man dieses besser nicht betreten sollte (siehe Bild rechts). In anderen Ländern reicht ein schlichtes “Betreten verboten”. Ah genau, noch was… hier in der Metro (und an den Stationen) ist es verboten zu Essen und zu trinken. Essen ok, aber trinken? Hier? Bei tropischer Hitze, wenige Kilometer vom Äquator entfernt? Wie bereits geschrieben, nehmen sie es mit Gesetzen hier sehr ernst: an unserem letzten Tag habe ich es gewagt einen Schluck Wasser zu trinken (wir waren gerade auf dem Weg zum Flughafen… mit voller Montur bei extremer Hitze)… ich hatte die Wasserflasche noch nicht mal abgesetzt, stand schon ein Bahnhofs-Bediensteter vor mir, der mir einen mehrminütigen Vortrag darüber gehalten hat, dass man das hier in Singapur nicht tut.

Vor kurzem habe ich von einer Studie gelesen, wo erhoben wurde, wie glücklich die Menschen eines Landes sind. Laut dieser Studie war Singapur auf dem absolut letzten Platz (vermutlich wurde das “Glück” nicht in allen Ländern gemessen… aber von jenen, wo gemessen wurde, war Singapur eben auf dem letzten Platz). Nicht das ich mir viel aus solchen Studien mache, aber bisschen was ist schon dran… lächeln sieht man hier nicht oft jemanden. Vermutlich ist die Stadt schon zu perfekt oder so… obwohl ich eigentlich ein Freund von Struktur und System bin, war es mir hier schon etwas zu viel des Guten…. ganz nach meinem Motto: “man kann es mit allem übertreiben”.

Unser Singapur-Aufenthalt hat sich auf das herum schlendern in der Stadt beschränkt… zu sehen gibt es ja doch was hier. Singpaur-Downtown, den kolonialen Bezirk (wo unser Hostel war – das bisher teuerste der gesamten Reise), Little India, Parks, die Formel-1-Strecke, das größte Riesenrad der Welt etc. Hier haben die drei Tage vollkommen ausgereicht.

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Angekommen in Kuba

Wollen nur kurz verkünden, dass wir uns inzwischen auf Kuba befinden. In den naechsten 2 – 3 Wochen wird sich hier nicht viel tun da es so gut wie nirgendwo Internet gibt (und wenn dann sehr lahm und teuer). Uns gehts auf jeden Fall gut – Grüße aus Havanna! :)

Viva la viaje!

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Malaysia

Am 20.01.2013 habe ich mich wieder mit dem Nermin auf dem Busbahnhof in Krabi (Thailand) getroffen – noch am selben Tag ging es weiter nach Malaysia. Zuerst mit dem Bus nach Hat Yai, im Süden Thailands und von dort sollte es angeblich allerlei Verbindungen nach Malaysia geben. Dort angekommen wurden uns allerdings nur vergleichsweise teuere “Minibusse” angeboten. Da wir es für Touristen-Abzocke hielten und überzeugt davon waren, dass auch die wesentlich günstigeren “public bus” nach Malaysia fahren, haben wir abgelehnt. Kurz darauf haben wir auch einen Bus gefunden, der bis zur Grenze fährt… hielten wir für eine gute Idee und gingen davon aus, dass auf der anderen Seite der Grenze bestimmt Busse warten, die uns dann in die nächstgrößere Stadt bzw. gleich zu unserem angestrebten Ziel Butterworth bzw. Georgetown auf der Insel Penang bringen.

An der Grenze angekommen, gingen wir zu Fuß drüber… niemand stellte blöde Fragen oder dergleichen und die Formalitäten waren schnell erledigt. Auf der anderen Seite der Grenze wartete allerdings kein Bus und inzwischen war es bereits dunkel geworden (mit dem überqueren der Grenze hat sich auch die Zeitzone geändert und wir mussten die Uhr um eine Stunde vor stellen). Eine verlässliche Information von wo und wann  Busse fahren, konnte wir nicht einbringen… es handelte sich um ein kleines, unbedeutendes Nest (Padang Besa) mit schlechter Anbindung und nur grundlegender Infrastruktur… alle verwiesen bloß auf die nächstgrößere Stadt (Kagar), die allerdings rund 30 km entfernt war – zu weit für einen Spaziergang mit voller Montur zu später Stunde. Also gingen wir erstmal was Essen und uns war klar, dass wir uns wohl nach einem Hotel umsehen müssen. Dort wo wir gegessen haben, kannte man sogar ein Hotel, keine 5 Minuten zu Fuß entfernt… soll allerdings das einzige weit und breit sein.

Dort angekommen, haben die uns nur ein ganzes Stockwerk angeboten: 3 Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer/Aufenthaltsraum, sanitäre Anlagen… und das natürlich zu einem entsprechenden Preis. Man hat unsere missliche Lage erkannt und entsprechend war da nichts zum Verhandeln… probiert haben wir es natürlich trotzdem und nach rund einer halben Stunde abgelehnt, da wir darauf schon aus Prinzip nicht eingehen wollten… wohl wissend, dass wir diese Nacht sehr wahrscheinlich im Freien verbringen werden. Auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz sind wir zwei Polizisten begegnet, die sehr freundlich und bemüht waren, eine Lösung für uns zu finden… nach einigen Telefonaten hat man uns dann angeboten, die Nacht auf der Polizeistation zu verbringen. Zwar auch im Freien, aber zumindest überdacht (in den Subtropen – wo es jederzeit ausgiebig regnen kann – absolut kein Fehler). So sicher haben wir wohl noch nie genächtigt ;) und abgesehen von den vielen Mosquitos war es ganz ok und am nächsten Tag ging es früh morgens per Autostopp weiter nach Kagar – von dort problemlos nach Butterworth.

Was lernen wir daraus? Schlechte Planung ergibt gute Geschichten! ;) – für gewöhnlich sind wir ja ganz gut organisiert.

Butterworth/Georgetown/Insel Penang
Butterworth ist eine der größeren Städte in Malaysia, allerdings ist es hauptsächlich eine Industriestadt und daher relativ uninteressant. Direkt vor Butterworth liegt aber die Insel Penang – diese beherbergt das bekannte Georgetown, das noch aus der britischen Kolonialzeit stammt und auch einen Nationalpark (tropischer Regenwald sowie “wilde” Strände). Dort sind wir für zwei Tage geblieben… sowohl Georgetown als auch der Nationalpark waren es wert. Geschlafen haben wir in Chinatown, gegessen in “Little India” ;)

Kuala Lumpur
Nächster Stopp war die Hauptstadt Kuala Lumpur, wo wir für 4 Tage geblieben sind. Eine sehr interessante und facettenreiche Stadt, wo wir gerne auch länger geblieben wären – hätten wir nicht einen relativ engen Zeitplan. Hier haben wir auch ein sehr gemütliches und preiswertes Hostel gefunden, sehr zentral, direkt vor Chinatown (das es hier in Asien in eigentlich jeder größeren Stadt gibt). Da Malaysia unser erstes mehrheitlich muslimisches Land auf der Reise war, haben wir den Schwerpunkt auch da angesetzt: das “Museum of Islamic Art” und die Nationalmoschee standen am ersten Tag auf dem Programm. Ansonsten sind wir einfach viel durch die Stadt spaziert, da sehr interessant. Gegessen haben wir auch hier “Indisch” – dass uns hier in Malaysia wesentlich besser geschmeckt hat als in Indien selbst. Des Weiteren besucht haben wir noch die bekannten “Petronas Towers” (noch vor wenigen Jahren die höchsten Gebäude der Welt), den Fernsehturm, wo wir von der Aussichtsplattform einen sehr guten Überblick über die Stadt gehabt haben. Kuala Lumpur hat in etwa so viele Einwohner wie Wien und wurde sehr weitläufig angelegt, dazwischen sehr viel Grün. Eine sehr “sympathische” Stadt!

In Kuala Lumpur wurden wir auch erstmals Opfer eines Diebstahls… es war der letzte Tag, wir hatten bereits ausgecheckt und sind noch in der Lobby des Hostels verweilt, da wir noch etwas Zeit hatten, bis es mit dem Zug weiter nach Singapur ging. Unser gesamtes Gepäck lag dort und ich hatte mein Handy noch zum Aufladen angesteckt. Sowohl Nermin als auch ich haben noch etwas recherchiert und saßen mit dem Rücken zu meinem Handy. Irgendwann ist ein Einheimischer die Treppe hoch gekommen, der auf mich gleich so gewirkt hat, als ob er nicht hierher gehört… blöderweise habe ich ihn nicht im Auge behalten. Nach sehr kurzer Zeit ging er auch wieder runter – zwei Minuten später hat es dann geklingelt, nachdem ich nach dem Handy gesehen hab, fand ich es nicht am Ende des Ladekabels… da war es leider schon zu spät. Um das Handy ist es nicht weiter tragisch, es war sowieso schon ziemlich am Ende, die Daten waren alle gesichert etc. Etwas anderes wurde nicht gestohlen. Ärgerlich ist nur, wie es passiert ist – wir waren beide im selben Raum. Blöd gelaufen… vermutlich sind wir unvorsichtig geworden, da es bisher gut gelaufen ist.

Resümee
Da wir uns in Indien, China und Thailand relativ viel Zeit gelassen haben, für die Reise aber leider nur begrenzt Zeit haben, müssen wir diesen Abschnitt leider etwas schneller durchziehen. So sind wir in Malaysia leider nur eine Woche gewesen, haben nur wenige Stopps eingelegt und haben von dem Teil auf der Insel Borneo (die sich Malaysia mit Indonesien teilt) gar nichts gesehen. Definitiv schade, aber dennoch bleibt ein zumindest grober Eindruck von diesem sehr interessanten Land. Obwohl bei Weitem nicht so stark vom Tourismus erschlossen wie zB Indien oder Thailand, kommt man hier hervorragend zurecht und kann sich sehr entspannt bewegen, ohne permanent von Leuten angesprochen zu werden, die sich daraus irgendwelchen Profit erwarten. Andere Leute, die wir während der Reise getroffen haben und die ebenfalls in Malaysia waren, waren nicht so begeistert da einem das Wetter hier leicht einen Strich durch die Rechnung macht – vermutlich hatten wir Glück, den wir wurden nur einmal vom Regen ausgebremst (und wenn es hier regnet, regnet es ordentlich)… der Tag war allerdings so gut wie vorbei und insofern halb so wild. Ansonsten hat es nur nachts geregnet.

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