Gestrandet auf Bali

Nachdem jetzt rund drei Monate alles wie am Schnürchen gelaufen ist und wir keinerlei Probleme mit (Grenz-)Behörden gehabt haben, sind wir hier erstmals an unsere (eigentlich: ihre) Grenzen gestoßen.

Wäre es wie geplant abgelaufen, wären wir nur eine Nacht auf Bali gewesen: hier befindet sich der zweitgrößte Flughafen Indonesiens und insofern eine praktische Sache für uns – wir konnten uns von Jakarta bis hierher vorarbeiten und mussten somit keine Zeit für die Rückreise nach Jakarta “verschwenden”.

Begonnen hat alles damit, dass wir einen Tag vor Abflug eine Erinnerungsmail von “Virgin Australia” bekommen haben – in dieser Mail war aber nicht von dem ursprünglich gebuchten Flug via Sydney nach Auckland (kurz vor Mitternacht) die Rede, sondern von einem Flug via Brisbane nach Auckland (um 17:25). Hat uns zwar verwirrt, da wir aber rechtzeitig hier waren, war es kein Problem für uns, schon früher zum Flughafen zu fahren und die Lage vor Ort zu klären. Gesagt, getan. Am nächsten Tag beim Check-In sagte man uns, dass wir nicht für diesen Flug gebucht sind und dass wir das Virgin Australia-Büro (am Flughafen) aufsuchen sollen… zu diesem Zeitpunkt dachten wir dass es sich um einen System-/Computer-Fehler handelt und wir wie geplant mit dem ursprünglich gebuchten Flug unsere Reise fortsetzen können. Wir waren nicht glücklich über den Vorfall aber noch herrschte Optimismus.

Beim Virigin Australia-Büro angekommen, sagte man uns, dass wir auch für den zweiten Flug nicht gebucht sind. Da wir aber eine gültige und bestätigte Buchung (vom 4.1.2013, rund 1,5 Monate vorher!) hatten, hat man uns wieder für den ursprünglichen Flug registriert. Einige Stunden später standen wir somit ein zweites mal in der Schlange… und ein zweites mal ließ man uns nicht an Board. Begründung: Sind mehr als 8 Stunden zwischen den Flügen, benötigt man für Australien ein Transit-Visum. Erstmalig machte sich Skepsis breit und erstmalig hatten wir Angst einen Flug zu “verpassen”. Aber beim Check-In war nichts zu machen… also wieder zum Virgin Australia-Büro. Wir hatten die Schuld bei den Angestellten vor Ort vermutet, da wir ja vom “System” auf den anderen Flug (via Brisbane, mit weniger als 8 Stunden Aufenthalt) umgebucht wurden… da wir nicht locker gelassen haben, hat man uns – ohne zusätzlicher Gebühren – für den Flug via Brisbane am nächsten Tag registriert (bei dieser Variante beträgt der Aufenthalt in Australien lediglich 2 Stunden). Die Nacht haben wir am Flughafen verbracht und eine sehr nette Bekanntschaft gemacht: Prita, eine Indonesierin, die in Perth (Australien) studiert hat und aktuell lebt und ebenfalls sehr viel reist ( http://lonelyprita.blogspot.com - sie hat ebenfalls über dieses Erlebnis geschrieben ). Die interessanten Gespräche ließen die Nacht sehr schnell vergehen und somit standen wir nach einer kurzen Nacht und einem sehr langen Tag ein drittes mal in der Schlange.

Und ein drittes mal ließ man uns nicht an Board… erst jetzt hat man uns erzählt, dass wir mit bosnischem Pass generell ein Transit-Visa für Australien benötigen. Bitter! Und somit  unser eigenes Verschulden! Dennoch ärgerlich, dass man uns das nicht schon früher sagen konnte. Inzwischen hatten wir aber die Sympathie der Angestellten her gewonnen… oder man hatte einfach Mitleid mit uns… wie auch immer: sie haben uns ein weiteres mal für einen anderen Flug und ohne zusätzlicher Gebühren registriert. Allerdings schon am nächsten Tag – sie meinten das es schon ähnliche Fälle gab und das es möglich sein sollte das Visum innerhalb eines Tages zu bekommen. Also sind wir gleich nach Denpasar (Hauptstadt der Provinz Bali) aufgebrochen, wo sich das australische Konsulat befindet und haben im einzigen Hotel dass wir (in der Nähe der Botschaft) finden konnten eingecheckt. Das war das beste Hotel der gesamten Reise (bisher) und lag nur unwesentlich über unserem üblichen Budget. Erst vor kurzem errichtet, geräumig, extrem guter Service (das Frühstück hat man uns ans Bett serviert). Zumindest ein kleiner Trost in diesen bitteren Stunden! ;)

Am nächsten Tag standen wir schon sehr früh vor dem australischen Konsulat. Dort haben wir erfahren, das die Visa-Abteilung an ein Privatunternehmen ausgelagert wurde, südlich des Flughafens, also in etwa dort, wo wir gestern waren (rund 30 km entfernt). Obwohl wir uns sicher waren, das uns dieses Büro (ohne jeglicher Befugnis – die Bewerbungen werden dort nur “eingesammelt” und oberflächlich überprüft… und in Folge an die Botschaft in Jakarta gesendet) in diesem speziellen Fall (und vor allem kurzfristig) nicht helfen kann, wollte man uns im Konsulat keinen Termin geben. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als uns in ein Taxi zu setzen, schnell unser Zeug im Hotel einzusammeln und zu diesem Büro zu fahren. Und so war es dann auch… dort konnte man für uns nichts tun, außer das Antragsformular (das wir schon am Abend zuvor vollständig ausgefüllt hatten) unter den üblichen Bedingungen (Bearbeitungszeit rund 3 Tage) an die Botschaft zu übermitteln. Also zurück zum Flughafen um den Flug ein weiteres mal zu verschieben – was tatsächlich ein weiteres mal ohne zusätzlicher Gebühren funktioniert hat.

Zwei Tage später standen wir wieder am Flughafen – hatten aber trotz einigem intervenieren bei der australischen Botschaft noch keine Antwort. Man hat uns gesagt, dass sie es versuchen werden, den Fall vor unserem Abflug zu bearbeiten – man kann uns aber nichts versprechen. So standen wir schon zum vierten mal in der Schlage vor dem Check-In… und kurz bevor wir dran waren, ist auch tatsächlich eine Antwort gekommen (auf dem Flughafen gab es zu unserem Glück überall gratis WiFi): Abgelehnt. Begründung: “Having taken into account all information provided, I am not satisfied that you have demonstrated that your principal purpose to enter into Australia is to pass through Australia in transit to another country is genuine“. Wüten und Enttäuscht zugleich haben wir die Warteschlange verlassen – das war es wohl mit Neuseeland. Ein Neuseeland-Visum, auf das wir einen Monat warten mussten und für das wir uns viel angetan haben, gültig für genau diesen Monat und ein Ein- sowohl Ausreise-Ticket (lediglich 2 Stunden nach Einreise) für Australien sind nicht Beweis genug? Zudem mussten wir Kopien von allen Seiten in unseren Pässen übermitteln, die mehr als deutlich belegen dass wir uns aktuell auf einer längeren Reise befinden. Auch die Angestellten vom Virgin Australia-Büro konnten es nicht glauben – wir hatten alles eingereicht, was für ein Transit-Visum notwendig ist. Und da es ein kombinierter Flug des selben Anbieters war, mussten wir nicht mal den Transit-Bereich auf dem Flughafen in Australien verlassen. Hilft alles nichts… abgelehnt ist abgelehnt, Einspruch nicht gestattet laut Antwortschreiben.

Über das Wochenende haben wir uns dann zurückgezogen um uns zu überlegen, wie es weitergehen soll. Neuseeland war für uns zu diesem Zeitpunkt definitiv gestorben, spätest-mögliche Einreise (laut Visum) war jetzt verstrichen. Den Trans-Pazifik-Flug nach Chile (der bisher mit Abstand teuerste Flug) können wir stornieren – allerdings fallen dabei Stornokosten von rund € 200 pro Ticket an. Insofern haben wir uns überlegt, einen Direktflug nach Neuseeland zu buchen, am selben Tag wo dann unser Flug von Auckland via Sydney nach Chile geht und uns eben erneut für ein Australien-Visum für diesen Flug zu bewerben (Transit durch Neuseeland ist – selbst mit bosnischem Pass – möglich, wenn der Anschlussflug innerhalb von 24 Stunden statt findet). Wir dachten uns das es evt. deswegen abgelehnt wurde, weil es zu kurzfristig war und wir zu viel interveniert haben.

Also haben wir am Montag nochmal eine Transit-Visa-Bewerbung eingereicht und uns in Folge auf den Weg nach Jakarta gemacht, da wir dort sowohl wegen Flügen als auch wegen Botschaften (um weitere Möglichkeiten zu prüfen) besser dran sind. Um das  Ganze etwas abzukürzen: am Freitag, also 5 Tage später, haben wir die Antwort von der australischen Botschaft bekommen: erneut abgelehnt (mit der gleichen Begründung). Sind dann gleich zur Botschaft gefahren um um einen Termin anzufragen, damit man uns erklärt, was genau das Problem ist – dort hat man uns aber nicht rein gelassen (mit der Begründung dass der Fall erledigt sei). Willkür pur, den wir haben definitiv alle Anforderungen erfüllt… da war also nichts zu machen.

Da auch alle anderen Flüge aus Asien nach Chile kombinierte Flüge sind, mit Transit in Ländern, wo wir ein Transit-Visa benötigen (USA, Kanada, Australien), haben wir uns für eine Variante entschieden, die wir von Anfang an vermeiden wollten: via Europa nach Südamerika. Insofern haben wir auch andere Varianten geprüft (zB im Norden Lateinamerikas zu beginnen und sich in den Süden vor zu arbeiten) und haben da ein ganz gutes Angebot nach Kuba gefunden. Also haben wir den ursprünglichen Flug storniert und von dem, was wir zurück bekommen haben, alle Flüge (5 Flüge!) bis nach Kuba finanziert. Eigentlich pervers… und das System der Fluggesellschaften entbehrt sich auch jeglicher Logik: zB ist ein Flug bei der gleichen Gesellschaft günstiger, wenn man einen (oder mehrere) Zwischenstopp(s) einlegt, also, von Jakarta nach Singapur und von dort nach Hong Kong anstelle gleich von Jakarta (obwohl ein Direktflug angeboten wird) nach Hong Kong zu fliegen. Hier gilt scheinbar die Devise: desto ungemütlicher, desto günstiger. Einen wirklichen Vorteil für die Fluggesellschaften kann zumindest ich da nicht erkennen. Aber eine andere Möglichkeit gab es (in dieser Situation) nicht, wenn es weiter nach Lateinamerika gehen sollte. Also auf nach Kuba: Jakarta -> Singapur -> Hong Kong -> Istanbul -> Frankfurt -> Havanna. Good bye, Asien!

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