Indonesien

Indonesien war so etwas wie die “Positiv-Überraschung” auf dieser Reise (bisher). Sehr herzliche, höfliche Menschen… überall wird man begrüßt, die Kinder winken einem zu… all dass, ohne das es aufdringlich ist. Und von der Natur bzw. Landschaft her sowieso unser absoluter Favorit. Im Gegensatz zu den letzten Ländern, die wir bereist haben, ist hier allerdings wieder sehr viel Armut anzutreffen… rund 27 % der Indonesier (also rund 65 Mio. Menschen) leben in Armut. Indonesien ist unser zweites und letztes mehrheitlich muslimische Land auf unserer Reise – und obwohl Indonesien das größte muslimische Land (nach Einwohnern) auf der Welt ist, ist es doch eine sehr gemäßigte Form des Islams, die hier praktiziert wird… hat uns sehr an Bosnien erinnert. Der Islam ist in Indonesien auch nicht Staatsreligion, sondern eine von fünf Religionen, von denen jeder Indonesier eine wählen muss (andere Religionen sind nicht zugelassen, es muss eine dieser fünf sein… was man dann im privaten glaubt bzw. praktiziert ist dann eine andere Geschichte). Mag sein das es radikalere Ecken gibt, aber zumindest auf Java haben wir es so erlebt (und Bali war schon wieder mehrheitlich hinduistisch).

Da wir für Indonesien ebenfalls nur knapp zwei Wochen eingeplant hatten, beschränkte sich unser Aufenthalt auf die Insel Java – und zum Abschluss noch rund 2 Tage Bali, da von hier unser Flug nach Neuseeland geht. Java ist die am dichtesten Besiedelte Insel Indonesiens, von den rund 240 Mio Einwohnern leben rund 130 Mio auf Java – also mehr als die Hälfte der Bevölkerung Indonesiens. Das liegt daran, dass Java aufgrund der regelmäßigen Vulkan-Ausbrüche in der Vergangenheit (und teilweise immer noch) besonders fruchtbar ist, hier wächst praktisch alles und ernten kann man bis zu vier mal im Jahr. Entsprechend wird auch jeder Zentimeter landwirtschaftlich nutzbarer Fläche auch bewirtschaftet… und “landwirtschaftlich nutzbar” sind hier selbst steilste Hänge, wo in Europa (oder auch anderswo) bestimmt niemand auf die Idee kommen würde, diese zu nutzen.

Jakarta
Unser Jakarta-Aufenthalt hat gleich mal mit einer Panne begonnen – im wahrsten Sinne des Wortes: Auf dem Weg vom Flughafen ins Zentrum hat es – auf der Autobahn – plötzlich laut geknallt und der Taxi-Fahrer ist sofort auf den Pannenstreifen ausgewichen: Reifen zerrissen. Nach rund 20 min war der Reifen gewechselt und es ging weiter. Jakarta ist die mit Abstand größte Stadt des Landes und extrem chaotisch… hat Erinnerungen an Indien geweckt! Es gibt auf der ganzen Welt keine Stadt dieser Größenordnung ohne U-Bahn oder anderwärtigem Schnellbahn-System. Entsprechend verstopft sind hier die Straßen. Und auch ansonsten… hier scheint nichts von langer Hand geplant worden zu sein… mehr oder weniger das absolute Gegenteil von Singapur – auch nicht gut! ;) In Jakarta haben wir ebenfalls die Nationalmoschee besucht, ein gewaltiges Bauwerk das bis zu 200.000 Menschen fasst (der Architekt war übrigens ein Christ – angeblich als Zeichen der Freundschaft zwischen den Religionen). Ansonsten sind wir relativ Ziellos durch die Stadt geschlendert und haben sie einfach auf uns einwirken lassen. Besonders krass ist der Kontrast im Zentrum, wo man nur wenige Gehminuten abseits der Hauptstraßen mit modernen Hochhäusern schon mitten in den Slums steht. Ein Highlight war natürlich auch der Besuch der Neuseeland-Botschaft, nachdem wir rund einen Monat auf das “Ok” gewartet haben. Eine große Erleichterung, als wir das Visum dann im Pass hatten.

Rund einen Monat bevor wir nach Jakarta gekommen sind, hat es hier – aufgrund sehr starker Regenfälle – die größte Überschwemmung seit Jahren gegeben. Dreiviertel der Stadt standen unter Wasser, zum Teil bis zu paar Metern. Haben natürlich auch Bilder davon gesehen… ganz schön heftig! Und viele der Straßen/Plätze auf den Bildern haben wir selbst passiert. Wie schon weiter oben geschrieben: nichts hier scheint von langer Hand geplant zu sein, so auch das Abwasser-System der Stadt… obwohl es immer wieder starke Regenfälle – und in Folge Überschwemmungen – gibt, wird es nicht erweitert, obwohl im aktuellen Zustand völlig unzureichend. Die Kosten, die allein das letzte Hochwasser verursacht hat, betragen ein vielfaches dessen, was der Ausbau des Kanal-Systems ausgemacht hätte (zudem es auch Todesopfer gegeben hat).

Bandung
Nächster Stopp auf unserem Weg Richtung Osten war Bandung, die viertgrößte  Stadt Indonesiens. Die Stadt hat uns allerdings nicht sonderlich interessiert, sie war lediglich Ausgangspunkt für die interessanten Spots rund herum. Hier haben wir das erste mal einen Vulkan bestiegen, den nicht mehr aktiven Tangkubanparahu, der allerdings immer noch schwefelhaltigen Dampf ausstößt… schon beim Aufstieg hat es entsprechend gerochen und die Vegetation in unmittelbarer Umgebung war ausgelöscht. Ein faszinierendes Bild… ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, welche Kräfte hier im Spiel waren und zu was die Natur fähig ist. Für den Vulkan-Besuch haben wir uns ein Moped ausgeliehen… eigentlich hatten wir mehr vor gehabt (heiße Quellen am Fuße des Vulkans, ein Wasserfall), leider haben wir lange gebraucht bis wir beim Vulkan waren, eine Reifenpanne hatten wir auch unterwegs (gehört hier scheinbar zur Tagesordnung) und dann war es leider schon zu spät für ein weiteres Abenteuer.

Pangandaran
Am nächsten Tag ging es auch schon weiter nach Pangandaran. Zuerst mit dem Zug bis nach Banjar, von dort mit einem “public bus” über Stock und Stein weiter nach Pangandaran, das an der Südküste Javas liegt. Eigentlich ein Spot für Surfer, aber deswegen waren wir nicht hier: hier gibt es einen sehr interessanten und schiffbaren Canyon durch den Dschungel, den “Green Canyon”. Weiters das “Green Valley”, ebenfalls im Dschungel gelegen, kann man hier in einem Fluß baden, der aus einer großen Höhle fließt, in die man auch schwimmen kann bzw. von den Klippen/Felswänden springen kann. Die vor Pangandaran vorgelagerte Halbinsel ist ein Nationalpark, den wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen wollten und wo man sehr schöne, “wilde” Strände findet. Und bis auf uns war hier auch niemand. Last but not least: die “Countryside”… Reisfelder und sonstige Plantagen in unmittelbarer Umgebung, dazwischen immer wieder kleine Dörfer.

Was in dieser Gegend besonders oft anzutreffen ist: da Indonesien ein armes Land ist und das Budget von vorne bis hinten nicht reicht, nehmen die Bürger oft Dinge in die Hand, für die eigentlich der Staat zuständig wäre. Daher sind die Straßen hier sehr oft mit einem Schranken gesperrt, den man erst gegen Entrichtung eines geringen Betrages passieren darf. Die Straßen wurden in diesen Fällen von der lokalen Bevölkerung errichtet und mit der Gebühr wird die Erhaltung finanziert. Selbes gilt auch für manche Brücken – oft notdürftig aus Bambus errichtet.

Probolinggo
Nach Pangandaran gings wieder mit dem public bus nach Banjar, von wo wir mit dem Nachtzug weiter nach Malang (Ost-Java) gefahren sind. Hauptziel hier war der sehr bekannte und immer noch aktive Vulkan “Bromo”, den wir im Rahmen eines Tagesausflugs aus Malang aus besichtigen wollten – haben aber paar Tage zuvor von einer Reisenden den Tipp bekommen, dass es aus Probolinggo näher und günstiger ist. Also sind wir nach dem Frühstück – nachdem wir die ganze Nacht durchgefahren sind – gleich in einen Bus gestiegen und sind weiter nach Probolinggo gefahren. Wir wissen nicht, wie es in Malang gelaufen wäre, aber wir zweifeln daran, dass es ein guter Tipp war ;) die Ho(s)tels waren völlig überteuert und wir haben lange gesucht, bis wir was passendes hatten. Und auch die Busse, die zum Bromo rauf fahren, wussten die “low season” gut zu nutzen: diese waren erst bereit los zu fahren, wenn der Bus voll war (was sich wohl selbst bis zum Abend nicht ausgegangen wäre)… oder aber alle anwesenden Fahrgäste waren bereit entsprechend mehr zu bezahlen um auch die leeren Plätze zu finanzieren. Nachdem wir kurzfristig keine andere Möglichkeit gefunden haben, um bis zum Bromo zu kommen und es sonst zu spät geworden wäre, haben wir nach rund einer Stunde das Angebot widerwillig angenommen… die anderen Fahrgäste zum Glück auch. Im nachhinein war es es allemal wert! Das Tengger-Hochplateau bzw. Nationalpark war einfach atemberaubend – der “Tengger”, ein gewaltiger Urvulkan, in dessen Krater sich im Laufe von Millionen Jahren vier weitere, kleinere Vulkane gebildet haben… einer davon eben der bekannte “Bromo”. Obwohl über 2000 m hoch, ist die Vegetation bis zum Krater-Rand sehr dicht – innerhalb des Kraters allerdings ist nur Wüste… vermutlich wegen des freigesetzten Schwefels, der von den “kleinen” Vulkanen ausgestoßen wird. Den – immer noch aktiven – Vulkan Bromo haben  wir dann auch bestiegen, für die anderen Vulkane hat die Zeit leider nicht gereicht. Etwas weiter weg war noch ein weiterer Vulkan zu sehen (dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt habe), der relativ verlässlich jede halbe Stunde ausbricht und eine riesige Rauchwolke in die Atmosphäre bläst.

Am letzten Tag auf der Insel Java (noch in Probolinggo) ist der Nermin noch zu einem ziemlich großen Wasserfall in der Nähe gefahren – ich bin ausnahmsweise mal im Hostel geblieben, weil ich beim Tempo der letzten Wochen gar nicht mehr wirklich zum schreiben etc. gekommen bin… als ich die Bilder dann gesehen habe, habe ich es schon wieder bereut. Dafür wurde er von einem richtig kräftigen Regen überrascht und war nass bis auf die Knochen, als er retour gekommen ist. ;)

Bali
Letztes Ziel in Indonesien war Bali, von hier hatten wir einen Flug nach Neuseeland (via Australien) – so konnten wir Java gemütlich bereisen, ohne wieder retour nach Jakarta zu müssen. Nach Bali sind wir mit einem Nachtbus gefahren… unsere erste längere Busfahrt in Indonesien – aber was für eine! Riskant und mit der Tachonadel immer auf Anschlag, an schlafen ist da nicht zu denken (ausgenommen die kurze Zeit auf der Fähre). Gut das wir die anderen (längeren) Strecken alle mit dem Zug gefahren sind! ;)

In Bali wollten wir – wie bereits geschrieben – zwei Tage (eine Übernachtung) bleiben. Geworden sind es über 10 – mehr dazu im nächsten Artikel (“Gestrandet auf Bali”).

Indonesien Kosten-technisch
Indonesien ist sehr günstig, wenn man sich abseits der “Touristen-Hotspots” bewegt bzw. manches auch dort, wenn man weiß, wie man es angeht ;) und man lässt das Geld ja auch lieber bei der “einfachen Bevölkerung” als bei den etablierten Touristen-Einrichtungen.

Hier ein kleines Beispiel: Mit 50.000 Rupiah in der Tasche (umgerechnet € 3,80) war ich heute Haare schneiden (15.000 Rupiah/€ 1,14), danach simple aber gut gegessen (Rindfleisch mit Reis und Gemüse) für 16.000 Rupiah (€ 1,22) und habe mir jetzt noch einen leckeren Java-Kaffee um 2.500 Rupiah (€ 0,19) gegönnt. Von den 50.000 Rupiah habe ich jetzt noch 16.500 übrig. Was sich jetzt pervers günstig anhört (ist es für uns auch), ist für den “Durchschnittsindonesier” sehr, sehr viel Geld. Aber der besagte “Durchschnittsindonesier” hat auch nichts davon, wenn man ein Vielfaches davon auf den geebneten Touristen-Pfaden (zB gehobenes Restaurant mit “westlicher” Küche und Englisch sprechender Belegschaft) lässt. Dann doch lieber so. Und die “Locals” sind auch immer sehr froh und haben eine Menge Spaß mit uns, wenn wir in eines der simplen Straßen-Restaurants einkehren.

Teurer sind Übernachtungen… hier haben wir 90.000 bis 165.000 für ein Zweibettzimmer pro Nacht gezahlt (€ 6,84 bis € 12,53, also € 3,42 bis € 6,27 pro Person)… geht auch günstiger, aber gewisse Ansprüche hat man dann ja doch. Teuer wird es auch, wenn man in abgelegene Gebiete will, wie zB auf einen Vulkan, hier gibt es kaum bis keine Alternativen für die “All-Inclusive-Touristen-Tour”, die von Ho(s)tels und Touristen-Agenturen angeboten werden. Hier mieten wir uns nach Möglichkeit ein Moped und schlagen uns auf eigene Faust durch, oder suchen uns zumindest jemanden der uns mit Moped oder anderwärtig hin bringt – ohne irgendwelcher (meist unnötigen) Zusatzleistungen. Manchmal gibt es auch einen “public bus”…erst wenn alle Stricke reißen und wir unbedingt hin wollen, wenden wir uns an die Agenturen. Das war in Indonesien nur einmal notwendig und selbst da haben wir uns aus eigentlich zwei verschiedenen Touren das für uns beste raus gepickt, haben einen äußerst symphatischen “Guide” erwischt, der sehr flexibel war und sich ganz nach uns gerichtet hat (war keine dieser Massenveranstaltungen, nur Nermin, der Guide und ich).

Resümee
Wie Eingangs schon geschrieben, war Indonesien auf jeden Fall eine positive Überraschung für uns und sowohl von den Menschen, der Landschaft und dem Essen her eines der bisherigen Highlights. Einige der Reisenden, die wir in den letzten Wochen und Monaten getroffen haben und die bereits in Indonesien waren, haben über das Wetter bzw. Klima hier geklagt – nahezu täglich Regen und das bei sehr hohen Temperaturen und sehr hoher Luftfeuchtigkeit… so wie in Malaysia auch schon. Das ist natürlich nicht für jeden angenehm. Mit dem Regen hatten wir aber auch hier Glück (bis auf wenige Ausnahmen) und an die Hitze und an das Schwitzen nach geringster Anstrengung haben wir uns inzwischen wohl schon gewöhnt. Ausgenommen beim schlafen – obwohl wir beide nicht große Freunde der Klimaanlagen sind und diese wo es nur geht gemieden haben, war es hier unumgänglich wenn man mal wirklich durchschlafen wollte.

Leider haben wir nur Java und bisschen was von Bali gesehen – aber mehr hat der Zeitplan nicht erlaubt. Wir können Indonesien absolut empfehlen, es soll uns aber niemand böse sein wenn es dann mit dem Wetter nicht so gut läuft wie bei uns ;)

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