Ecuador

Nach fast 1,5 Monaten in der Karibik ging es endlich nach Südamerika, auf das wir uns schon von Anfang an sehr gefreut haben. Gestartet haben wir mit Ecuador, einem kleinen, aber sehr vielseitigen Land. Erstmals in Berührung gekommen mit Lateinamerika sind wir in Kuba – hier war aber alles wieder komplett anders, sodass wir – bis auf das bisschen Spanisch, dass wir gelernt haben – keinen Vorteil dadurch hatten.

Ecuador ist für seine vielseitige Landschaft bekannt, die in vier Regionen eingeteilt ist:

- Costa, das Küstentiefland
- Sierra, das Andenhochland
- Oriente, tropisches Regenwaldgebiet
- Galápagosinseln, vulkanische Inselgruppe im Pazifik, das besonders für die Vielfalt in der Tierwelt bekannt ist

So kann man hier sehr viel Verschiedenartiges erleben, ohne weit reisen zu müssen (ausgenommen Galápagosinseln). Wir haben uns hauptsächlich im Andenhochland aufgehalten, haben aber auch zwei Abstecher zur Küste gemacht. Die Trips zu den Galápagosinseln sind relativ teuer, und da wir unserem Zeitplan eh schon hinterher hinken, haben wir diese ausgelassen (außerdem sollte man sich ja auch was für spätere Reisen aufheben). Im Regenwald waren wir hier auch nicht, da wir dazu später noch genügend Gelegenheiten haben werden (Bolivien, Brasilien).

Quito
Begonnen haben wir in Quito, der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt (liegt auf rund 2850 m), wo wir auch länger geblieben sind, da man in direkter Umgebung sehr viel machen kann (im Rahmen von Tagesausflügen, ohne also immer mit dem gesamten Gepäck weiter ziehen zu müssen). Probleme mit der “Höhenkrankheit” hatten wir nicht, auch wenn uns in den ersten paar Tagen das Atmen etwas schwieriger gefallen ist. Quito an sich ist eine relativ moderne und interessante Stadt, mit vielen Parks und wo viel wert auf das Radfahren gelegt wird: Markierte Radstrecken ziehen sich durch die gesamte Stadt und jeden Sonntag werden viele Straßen für Autos gesperrt und sind nur mit Rad oder zu Fuß zugänglich.

Aus Quito aus besucht habe wir:

  • Cotopaxi: der zweithöchste Berg Ecuadors und einer der höchsten (noch aktiven) Vulkane der Welt, rund 50 km südlich von Quito. Hier sind wir bis auf eine Höhe von ca. 5000m gewandert, weiter wäre es nur mit entsprechender Ausrüstung (da knapp unter 5000m bereits der Gletscher beginnt). Runter ging es dann mit dem Mountainbike.
  • Pichincha: Auf dem “Hausberg” Quitos ging es sogar zwei Mal hinauf. Der Vulkan, der vor ungefähr 15 Jahren zum letzten Mal aktiv war, gilt heute als ein sehr sicheres Ausflugsziel. Vor nicht all zu langer Zeit wurde hier eine Seilbahn errichtet, die das Besteigen des Berges auch sehr erleichtert. Von etwa 3300m geht es dann bis auf 4100m. Von dort kann man bis auf die beiden Gipfel wandern, die auf etwa 4700m und 4800m Höhe liegen. Daher wir zum ersten Mal auf so einer Höhe wanderten, ging es für uns beim ersten Mal nur bis auf 4300m und beim zweiten Mal bis auf 4500m hinauf. Von oben hat man dann einen traumhaften Ausblick auf die in die Länge gezogene Hauptstadt.
  • Midad del Mundo: jene Stelle, durch die der Äquator verläuft (0° 0′ 0″). Hier wurde ein Monument und eine große Anlage mit allerlei Freizeitangeboten errichtet. Vor einigen Jahren wurde mit militärischem GPS (Experten aus den USA wurden eingeflogen) nochmals gemessen, und es hat sich herausgestellt, das es sich bei jener Markierung (Linie) beim Monument nicht um den Äquator handelt. Der tatsächliche Äquator befindet sich über 300 m entfernt, wo darauf hin ebenfalls ein Museum errichtet wurde (das wir auch besichtigt haben). Besonders spannend waren die Experimente: aus einem Wasserbehälter, der genau am Äquator steht, rinnt das Wasser einfach nach unten ab, ohne das sich ein Strudel bildet. Bewegt man diesen Wasserbehälter nur 2 – 3 Meter in den Norden, bildet sich ein Strudel gegen den Uhrzeigersinn (wie zB bei uns in Europa). Genau gegenteilig, wenn man den Behälter 2 – 3 Meter auf die anderen Seite des Äquators – also in den Süden – schiebt. Schon faszinierend, dass sich die magnetischen Kräfte schon auf einer derlei geringen Distanz bereits komplett entfalten!
  • Papallacta: Ecuador ist ja für die vulkanische Aktivität bekannt und entsprechend viele Heißwasserquellen gibt es hier. Wir haben uns eine in Papallacta ausgesucht, war zwar etwas weiter weg – aber bereut haben wir es nicht: zahlreiche Becken in verschiedenen Größen und unterschiedlichen Wassertemperaturen, eingebettet in nahezu unberührter Natur. Und da etwas abgelegen, war auch so gut wie nichts los, so dass wir uns hier einige Stunden komplett entspannen konnten.

Küste

Bereits 24 Stunden, nachdem wir auf 5000m Höhe am Gletscher bei ungefähr 0°C standen, waren wir auch schon auf Meereshöhe und lagen in Badehose – mit einer Kokosnuss in der Hand – am Strand in Canoa (bei gefühlten 32°C).

Canoa ist ein sehr kleines Fischerdorf an der Pazifikküste, dass lange Zeit auch sehr unbekannt war und auch heute als kleiner Geheimtipp gilt. Für uns war es der perfekte Ort, um wieder ein wenig Sonne und vor allem Wärme zu tanken. Vor allem hat man hier seine Ruhe und ist nicht der großen Menschenmasse wie in der Großstadt Quito ausgesetzt. Zwei Tage Entspannung und Erholung haben uns dann auch schon in Canoa am Strand gereicht und wir sind dann mit dem Bus weiter in den Norden – nach Esmeraldas – gereist.

Esmeraldas ist ebenfalls eine Küstenstadt am Pazifik – allerdings eine etwas Größere – mit etwa 120.000 Einwohnern das ebenfalls für den Fischfang, aber auch als Hafenstadt bekannt ist. Das sehr heiße Klima und der hohe Anteil an der afro-ecuadorianischer Bevölkerung verleihen der Stadt ein durchaus karibisches Flair. Esmeraldas gilt ebenfalls auch als die gefährlichste Stadt Ecuadors. Dies haben wir aber (zum Glück) nicht zu verspüren bekommen, auch wenn man uns an der Hotelrezeption mehrmals davor gewarnt und darauf aufmerksam gemacht hat, bestimmte Teile der Stadt strikt zu vermeiden und nicht zu besichtigen. Allerdings muss man auch sagen, dass man hier als “weißer” und vor allem als Tourist und / oder als nicht-spanischsprechender nicht sehr freundlich angesehen wird.

Ein Spaziergang durch die Stadt und ein kurzer Besuch am Stadtstrand “Las Palmas” haben uns dann auch schon gereicht und nach 2 Nächten in Esmeraldas ging es dann auch schon wieder zurück nach Quito, wo dann die Reise weiter in den Süden ging.

Bańos
Nach dem Aufenthalt an der Küste sind wir noch mal nach Quito, da wir hier versuchen wollten uns für ein Brasilien-Visum zu bewerben: zu unserer großen Überraschung war das kein Problem: 3 Tage und US$ 20 später hatten wir es bereits im Pass. Für Peru haben wir es ebenfalls  probiert, hier war aber leider nichts zu machen.

Dann ging es aber auch schon weiter nach Bańos: ein Kleinstadt, die direkt am Fuße des Vulkans Tungurahua liegt, mit sehr viel Natur rundherum. Hier sind wir viel gewandert und Rad gefahren (zB die “Ruta de cascadas”, über 70 km bis nach Puyo mit vielen Wasserfällen entlang der Strecke). Hier hat es uns sehr gut gefallen – auch befinden sich in Bańos gleich mehrere Thermen, sodass man einen aktiven, anstrengenden Tag entspannt im heißen Becken ausklingen lassen konnte. In Bańos haben wir dann auch erstmalig ein Meerschweinchen gegessen, das ecuadorianische Nationalgericht, genannt “Cuy”. Schmeckt zwar ganz gut, aber etwas anstrengend zu essen… naja, man sollte ja alles mal probieren. Während unseres Aufenthalts in Bańos ist der Vulkan Tungurahua ausgebrochen: nicht weiter tragisch, “nur” eine sehr hohe Rauchsäule… trotzdem eine ganz besondere Erfahrung, das aus unmittelbarer Nähe zu sehen und zu erleben… und nachdem die Einheimischen ruhig geblieben sind, haben wir uns auch nichts weiter dabei gedacht.

Riobamba
Nach Bańos ging es weiter nach Riobamba. Von hier wollten wir eigentlich mit dem Zug nach San Pedro de Alusi fahren (und von dort weiter nach Guayaquil) – soll ein ganz besonderes Erlebnis sein, da der Zug sich hier durch das Andenhochland windet und man sehr viel zu sehen bekommt. Leider war das nicht möglich, die Strecke wird gerade restauriert, da es einige Unfälle in den letzten Jahren gab und so mussten wir das von unserem Plan streichen. Des Weiteren wollten wir von hier auf den Chimborazo steigen, dem höchsten Berg (Vulkan) Ecuadors (6310m), was wir dann auch gemacht haben. Wir haben mehr oder weniger per Zufall einen Bergführer kennengelernt, der am nächsten Tag zur Basisstation am Chimborazo gefahren ist und uns für ein geringes Entgelt mitgenommen hat. Von dort sind wir dann allein weiter gewandert, so weit wir eben ohne professioneller Ausrüstung gekommen sind (laut GPS sind wir auf 5233 m [+/- 6m] Höhe gekommen).

Guayaquil
Unsere letzte Station in Ecuador war Guayaquil, die größte Stadt Ecuadors. Guayaquil hat uns sehr an Asien erinnert… irgendwie ganz und gar untypisch, zumindest was wir bisher von Südamerika gesehen haben. Die Stadt ist relativ modern und der wirtschaftliche Hotspot des Landes. Wir waren hier 2 Nächte und einen vollen Tag – der eine Tag hat auch vollkommen ausgereicht, um sich in der Stadt etwas umzusehen. Besonders interessant war der größte Stadtpark, wo zahlreiche Chamäleons und andere Tiere frei herumlaufen. Von hier ging unser Flug nach Bolivien (via Chile), der eigentliche Grund, warum wir überhaupt hier waren.

Resümee
Ecuador ist ein sehr interessantes Land, und obwohl es ein – für südamerikanische Verhältnisse – sehr kleines Land ist, wäre uns hier wohl auch nach einigen Monaten noch nicht langweilig geworden. Ecuador ist sehr einfach zu bereisen, die Infrastruktur ist gut, das Reisen ist sehr günstig (rund $ 1/Stunde, wenn man mit den öffentlichen Bussen reist). Ecuador an sich gehört weder zu den günstigsten noch zu den teuersten Destinationen, die wir während unserer Reise besucht haben… man kommt hier aber auf jeden Fall auf seine Kosten.

Was das Essen betrifft, hat man hier sehr viel Auswahl… von “Einheimischen-Restaurants”, wo man für 2 US-Dollar (offizielle Währung des Landes) ein komplettes Menü (Vorspeise, Hauptspeise, Salat, Getränk) serviert bekommt bis hin zu gehobeneren Restaurants und zahlreichen Fast-Food-Buden.

Besonders gefallen hat uns hier, dass an jeder zweiten Ecke ein Obst-Stand mit viel Auswahl zu finden war, wo man sich meistens auch leckere Fruchtsäfte (“Jugos”) oder Milchshakes (“Betidos”) mixen lassen konnte.

Auch bezeichnend für Ecuador: die Straßenkünstler, was wir in dieser Form auch noch nicht erlebt haben. An roten Ampeln wird dann jongliert oder Sonstiges aufgeführt, in der Hoffnung, ein paar Münzen von den wartenden Autofahrern zu erhalten.

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