Jamaika

Nach etwa 10 Tagen in Kuba, haben wir uns auch schon die Weiterreise überlegt. Daher wir bereits in der Karibik waren und Jamaika für uns ein Land war, wo wir das Visum “on arrival” für US$ 20,- bekommen können, entschieden wir uns auch dieses Land zu bereisen und von dort dann weiter nach Südamerika.

Die erste Überlegung war ja von Kuba aus mit dem Schiff nach Jamaika zu reisen, aber daher das nicht möglich war, sind wir von Havanna aus über die Cayman-Inseln nach Kingston – die Hauptstadt Jamaikas – geflogen.
In Kingston sehr spät angekommen, haben wir uns nur schnell etwas für die erste Nacht gesucht und haben dann am nächsten Morgen dann eine vernünftige Bleibe gefunden. Bereits der erste Eindruck von Jamaika gab uns – nach Kuba – wieder einen Hauch von Normalität und Zivilisation. Es waren keine alten, rustikalen Autos mehr zu sehen, man fand wieder günstige Hostels, man hatte wieder freien Zugang zu Internet und vor allem nach dem ersten Besuch eines Supermarktes, hatte man das Gefühl wieder in Europa zu sein. Allein die großen, voll gefüllten Regale und die riesen Auswahl an Produkten, dass hatten wir auf der ganzen Reise nur selten gesehen. Vor allem nach ganzen 4 Wochen Aufenthalt in Kuba, war Jamaika eine bemerkbare große Wende. In Kingston haben wir dann auch sofort die Gelegenheit und die Zeit genutzt um ein paar Bilder auf unseren Blog zu laden und auch um ein paar Mails zu beantworten, was wir in Kuba nicht unbedingt machen konnten.

Den zweiten Tag in Kingston haben wir dann – wie üblich – dazu genutzt um uns die Stadt ein wenig anzuschauen und sind eine 25km lange Runde quer durch die Stadt spaziert. In Kingston war es nicht so einfach, wie in Kuba zum Beispiel, nicht als Tourist aufzufallen. Hier sticht man als hellhäutiger zwischen all den schwarzen Einheimischen sofort heraus. Wie wir bereits uns im Vorfeld etwas erkundigt hatten, ist man “als Weißer” in Jamaika, besonders in der Großstadt Kingston nicht wirklich gerne gesehen – dies haben wir beim Gehen durch die Stadt auch bestätigt bekommen. Man wird fast von jedem zweiten, bei dem man vorbeigeht, komisch und nicht wirklich mit einem freundlichen Blick angeschaut. Auch das wir in einer der gefährlicheren Städte der Welt waren, haben wir auch sofort bestätigt bekommen. Allein die Polizisten sind ausgerüstet als würden sie in einen Krieg einziehen – die Maschinengewähre immer in Position, kugelsichere Westen und keine Hüte wie man sie von gewöhnlichen Polizisten kennt, sondern Helme. Man hört auch das es in Kingston öfters zwischen den Gangs zu Schießereien kommt – vor allem im Stadtteil East-Town durch den wir auch spaziert sind, allerdings erst später davon erfahren haben wie gefährlich es dort ist bzw. sein kann.

Auf ganz Jamaika leben ungefähr 2,7 Mio. Menschen, wobei fast die Hälfte davon (etwa 1,2 Mio.) im Großraum von Kingston lebt. Man merkt auch hier wieder die Armut besonders stark. In den Parks geht man sehr oft bei Obdachlosen vorbei die sofort einen anbetteln wenn man bei denen vorbeigeht. Amtssprache auf Jamaika ist “normalerweise” Englisch. TV- und Radio-Sendungen werden auf klarem Englisch übertragen, auch die Zeitung und alle Werbeplakate sind auf Englisch. Verbreitet ist jedoch die Sprache “Patois” oder auch “Patwa” genannt. Dies ist – um es einfach zu erklären – ein “undeutliches Englisch”, was für einen der der englischen Sprache mächtig ist, wirklich schwer, bis kaum zu verstehen ist und auf Dauer auch sehr anstrengend bzw. nervig ist.

In Kingston haben wir uns zu einem nur die Stadt angesehen und dann haben wir unter anderem einen “Geheimtipp” von einem Mitbewohner bekommen, dass es etwa 15min von Kingston entfernt eine kleine Insel gibt, die sehr schön sein soll. Am Tag darauf haben wir uns dann auch auf den Weg, auf die Insel namens “Lime Cay” gemacht und man muss sagen, es war einfach traumhaft. Man fährt mit dem öffentlichen Bus zum Hafen und von dort wird man mit dem Boot zur Insel gebracht und bevor man das Taxiboot verlässt, muss man sich ausmachen wann es einen wieder abholt. Auf der Insel dann angekommen, waren wir total begeistert. Die Insel war so klein, dass man diese in 10 Minuten komplett umgehen konnte. Auf dieser kleinen, verlassenen Insel haben wir uns dann etwa 4 Stunden ausgeruht und auch entspannt, bevor es dann wieder zurück nach Kingston ging.

Die weiteren Spots die wir auf Jamaika besichtigen wollten, haben wir so gewählt, dass sie für uns praktisch am Weg sind. Der bereits in Kuba gebuchte Flug nach Ecuador ging von Montego Bay, eine Stadt im Westen der Insel. Der nächste Stopp war dann die höchste Erhebung Jamaikas, die Blue Mountains. Dort sind wir in einem Dorf angekommen, wo wir dann bei einem Rastafari für 2 Nächte gewohnt haben. Von diesem Dorf aus, das auf etwa 1200 Meter Höhe lag, starteten wir am nächsten Morgen um 4:30 in der Früh und wanderten rauf bis auf den Gipfel der Blue Mountains, der auf etwa 2250 Meter Höhe liegt. Leider hatten wir den ganzen Weg rauf und auch den Weg

hinunter nur Regen und die schöne Aussicht, über ganz Kingston und sogar bis nach Kuba von der Spitze aus, hat uns das graue, bewölkte Wetter nicht zugelassen. Kurz bevor wir wieder im Dorf angekommen waren, hat es wettermäßig etwas besser ausgesehen und die Sonne hat sich wieder blicken lassen und uns so auch ein wunderschönes Foto ergeben. Nämlich ein schöner, bunter, wie aus Bilderbuch gemalter Regenbogen hat sich über das Dorf gebildet, was man so wirklich sehr selten zu sehen bekommt.

Von den Blue Mountains ging es weiter nach Port Antonio, eine Stadt an der Nord-Küste Jamaikas und liegt etwa 100km nördöstlich von Kingston. Port Antonio hat den drittgrößten Hafen auf Jamaika (nach Kingston und Montego Bay) und wird zumeist als Verschiffungshafen für Bananen und Kokosnüsse genutzt. Hier haben wir uns in der Umgebung einige Wasserfälle angeschaut und uns dann nach 4 Tagen auch schon auf den Weg nach Montego Bay gemacht.
Die Fahrt nach Montego Bay – eine Fahrt von etwa 200km – hat dann fast viereinhalb Stunden gedauert. Daher es von Port Antonio keine Direktverbindung nach Montego Bay gab, hat man von einer Stadt in die nächstgrößere mit einem Sammeltaxi fahren müssen. Nach 4 mal umsteigen sind wir dann auch an unserem Ziel angekommen. Montego Bay  hat im großen und ganzen nicht viel zu bieten, den zweiten internationalen Flughafen, den zweitgrößten Hafen der Insel und sehr viele riesige Hotel-Resorts, bei denen wir auf der Fahrt in die Stadt vorbeigefahren sind. Somit war diese Stadt für uns nur ein Aufenthalt um den Flug nach Ecuador zu erwischen und nicht mehr. Wir sind zwar durch die Stadt gegangen, aber an viel sehenswertes sind wir nicht vorbei gelaufen. Den zweiten Tag haben wir dann ein wenig noch am Strand verbracht und auch noch die Sonne und Wärme genossen, weil am nächsten Morgen ging es dann nach Quito und dort waren die Temperaturen wieder alles andere als karibisch.

Resümee:
Jamaika war auf alle Fälle eine Reise wert. Die 10 Tage, die wir auf der Insel verbracht haben, haben uns einen deutlichen und auch einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen. Allein das “Marihuana-Klischee” in diesem Land hat sich mehr als bestätigt. Du gehst durch die Straßen und siehst einen Bauarbeiter oder Gärtner, der gerade beim Arbeiten ist, hat aber keine Zigarette im Mund, sondern einen Joint. Man geht durch Märkte und riecht an jedem zweiten Stand den Geruch von Gras – und keinen stört bzw. keinen interessiert es – es ist völlig normal.
Kostentechnisch ist Jamaika sogar ein wenig mit Mitteleuropa zu vergleichen. In den Supermärkten herrschen ganz normale Preise, so wie wir sie zu Hause kennen. Auch was das Übernachten angeht, zählt Jamaika nicht zu den billigsten Ländern auf unserer Reise.
Das es in Jamaika gefährlich sein soll und die Kriminalität ebenfalls sehr hoch ist, war uns von Anfang an klar und somit haben wir dieses Land auch mit sehr viel Vorsicht bereist und zum Beispiel selbstständige Spaziergänge spät Nachts und verlassene Gegenden auch vermieden.
Reisebusse gibt es auf Jamaika nicht, sondern es gibt überfüllte Mini-Busse mit denen man von einer Stadt zur anderen fährt. Man stellt sich das am Besten so vor: Ein normaler VW-Bus, der üblich für maximal 9 Personen zugelassen ist, wird in Jamaika für 19 erwachsene Personen eingesetzt. Kinder werden hier nicht gezählt, weil diese haben am Schoß Platz. Und wenn man jetzt auch noch einen großen Rucksack oder Koffer bei sich hat, so muss man diesen am Schoß halten und so kann es schon mal zu einer längeren, stundenlangen und sehr ungemütlichen Fahrt kommen, bei der man sich schon nach 30 Minuten wünscht am Ziel angekommen zu sein.

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