Kuba

Da waren wir nun also… in einem der letzten sozialistischen Staaten, dem Land der Revolution, Improvisation und Lebenskünstler. In einem Land, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint oder wo die Uhren zumindest (sehr viel) langsamer gehen. Und auch erstmalig auf (nord)amerikanischem Boden.

Und gleich, wenn man den Flughafen verlässt, wird man damit konfrontiert: sehr alte Cadilecs, Pontiacs, Fords, Dodges etc. prägen hier das Straßenbild, wie man es nur aus alten (US-)Filmen kennt. Dazwischen auch alte Ladas (Russland bzw. Sowjetunion) und vereinzelt Modelle europäischer Marken, die in den 50er/60er Jahren angesagt waren. Dazwischen nur wenige neuere Modelle.

Woran man sich gleich gewöhnen sollte: in Kuba gibt es zwei Währungen… den “Cuban Peso National” (CUP) und den “Cuban Peso Convertibile” (CUC). Der CUP ist die Standard-Währung, in der Kubaner ihr Gehalt bekommen und mit dem Güter des alltäglichen Bedarfs erworben werden können. Alle sogenannten Luxusgüter (darunter auch alle touristischen Leistungen) müssen mit dem CUC bezahlt werden (und sind somit für sehr viele Kubaner unerschwinglich). Das ist uns auch erstmalig passiert, dass es in einem Land zwei verschiedene Währungen gab und dass ironischerweise ausgerechnet im kommunistischen, klassenlosen Kuba. Der CUC ist an den US-Dollar gebunden und dient als Stütze für die eigene (sehr schwache) Währung. Bei den Preisangaben wird für beide Währungen das $-Symbol verwendet, so dass man gut aufpassen muss, nicht mit der falschen Währung – und damit deutlich zuviel (ein CUC entspricht 25 CUP) – zu bezahlen… aber dafür kriegt man relativ schnell ein Gefühl.

Die Hotels in Kuba sind extrem teuer, so etwas wie Hostels bzw. Guesthouses gibt es nicht. Als Alternative haben sich die “Casas particulares” etabliert: Besitzer privater Häuser/Wohnungen, die Zimmer bzw. zum Teil ganze Apartments vermieten. Darunter gibt es welche, die an Touristen vermieten (spezielle Lizenz notwendig) und solche, die an Kubaner vermieten (wie in vielen anderen Bereichen wird da streng unterschieden)… das signalisiert ein Symbol an der Eingangstür, das entweder rot (nur Kubaner) oder blau (nur Touristen) ist. Der Preisunterschied ist gewaltig! Als Tourist zahlt man hier 20 bis 30 CUC, etwas Günstigeres ist so gut wie nicht zu finden. Was uns aber sehr gut gefallen hat, ist, dass man in den Casas particulares sehr eng mit den Einheimischen zusammenlebt und dadurch einen sehr tiefen Einblick in den Alltag der Kubaner bekommt.

Was uns auch gefallen hat: hier in Kuba waren wir nicht direkt als Touristen erkennbar bzw. erst wenn wir den Mund aufgemacht haben. Die Einwohner Kubas sind größtenteils europäischer Abstammung, und da wir von unserer bisherigen Reise bereits schön braun gebrannt waren, war da nicht wirklich ein Unterschied zur Mehrheit der Kubaner erkennbar. Schwierig war es mit der Sprache, da man hier mit Englisch nicht wirklich weit kommt… nach einiger Zeit konnten wir aber zumindest die notwendigsten Dinge (was zum Essen kaufen, Unterkunft organisieren, Alltags-Floskeln, nach dem Weg fragen etc. und ganz wichtig: die Zahlen) mit unserem minimalen Spanisch handeln.

Kuba ist sehr laut und sehr viel spielt sich auf den Straßen ab. Durch die Straßen ziehen oft Händler mit selbst gebastelten Karren, die diverse Güter (Gemüse, Obst, Brot, Eier, Kuchen etc.) anbieten und das auch lauthals (bis spät in die Nacht) verkünden. Aus vielen Wohnungen tönt laute Musik, an den Straßenrändern wird sehr oft in kleinen Gruppen Domino gespielt und dazu Rum getrunken… so eine kleine Domino-Truppe ist oft einige Blocks weit zu hören und auch ansonsten geht es hier immer zu und es ist laut. Die uralten Autos sind auch nicht gerade die leisesten und es wird sehr viel gehupt. An das muss man sich auch erst mal gewöhnen, besonders was den Schlaf betrifft – Fenster aus Glas gibt es hier nicht (ist wohl klimatisch bedingt) und so dringt der Lärm unvermindert durch.

Improvisation gehört hier ebenfalls zur Tagesordnung. Ein gutes Beispiel sind die bereits erwähnten alten Autos, die jetzt schon seit Jahrzehnten gehegt und gepflegt werden. Das natürlich nicht, weil es sich die Leute hier auf Oldtimer stehen, sondern weil man schlicht keine andere Wahl hat. Es war lange Zeit für die Kubaner verboten, neue Autos zu kaufen und selbst jetzt, wo es erlaubt ist, können es sich nur die allerwenigsten leisten. Das durchschnittliche Monatsgehalt eines Kubaners beträgt $ 25, ein Auto ist ab $ 20.000 zu bekommen… da auf ein Auto zu sparen ist völlig unrealistisch. Besser steigen jene aus, die im Tourismus-Bereich tätig sind, und damit auf paar hundert $ im Monat kommen. Aber auch in anderen Bereichen wird alles ewig aufbehalten und weiterverwendet und das Ergebnis ist oft sehr kreativ. Ein Beispiel: die “Bici-Taxis” (insbesondere in Havanna): alte Fahrräder werden so umgebaut, dass hinten zwei Passagiere mitgenommen werden können. Als Sitze dienen alte, ausrangierte Auto- oder Bussitze, als Lenker werden oft Lenkräder von alten Autos eingebaut etc. Klar passiert dies alles aus Mangel an Alternativen – hat aber auch seine positiven Seiten, da sehr nachhaltig und nicht alles gleich weg geschmissen wird und insofern hat Kuba nicht zufällig (wenn wohl auch nicht ganz beabsichtigt) den besten Wert beim “Ökologischen Fußabdruck” und ist laut dieser Studie das einzige Land weltweit das weniger Ressourcen verbraucht als reproduziert werden können.

Typisch für die kubanische Küche sind Pizzas, Burger/Sandwiches aller Art und verschiedene Reis-Gerichte. Das Frühstück besteht in der Regel aus einem Omelett mit Brot und Früchten. Das “Streetfood” hier in Kuba war das mit Abstand günstigste der gesamten Reise. Kleine Pizzas (nach 2 – 3 davon ist man satt) und Sandwiches kriegt man ab 5 CUP (rund 0,16 €), aber es gibt auch (äußerst rustikale) Restaurants für Einheimische wo man für 15 bis 25 CUP richtig ausgiebig essen kann: Vorspeise, Hauptgang (in der Regel werden verschiedene Reis-Gerichte angeboten), Salat, Getränk und oft sogar eine Nachspeise… das alles für umgerechnet rund 0,50 bis 0,75 €. Natürlich gibt es auch gehobene Restaurants mit großer Auswahl und wo man mit CUC bezahlt… dort ist man dann in etwa auf europäischem Preisniveau. Auch gibt es in Kuba extrem viele sehr dicke Menschen aufgrund des eher ungesunden Essens (sehr fettig und sehr viel süßes)… aber wohl auch wegen der Gemütlichkeit ;) Das Streetfood wird sehr oft direkt aus dem Wohnzimmer-Fenster verkauft, welches zu einem minimalistischen Verkaufsstand umgebaut wird… die Mittagsmenüs kriegt man entweder in einem Pappkarton serviert oder man wird hereingebeten und isst in der Küche der jeweiligen Familie. Noch ein letztes Preis-Beispiel: ein Espresso (Kaffee) kostet an solchen Wohnzimmer-Verkaufsständen umgerechnet ganze 0,03 €.

Route
Unser Kuba-Aufenthalt hat in Havanna begonnen und die Route führte bis nach Santiago de Cuba (die Kulturhauptstadt Kubas), ganz im Osten, mit Zwischenstopps in Santa Clara und Trinidad, wo wir jeweils für paar Tage geblieben sind. Ursprünglich wollten wir von Santiago de Cuba weiterreisen: entweder mit Fähre nach Haiti oder Jamaika oder eben – wenn es nicht anders geht – mit Flugzeug. Wir haben bereits bevor wir nach Kuba aufgebrochen sind recherchiert und erfahren, dass es keine Fähren-Verbindungen von/nach Kuba gibt, dachten aber, evt. können wir vor Ort etwas in Erfahrung bringen…. Fehlanzeige! Also doch wieder mit dem Flugzeug… da es aus Santiago de Cuba keine vernünftigen Flüge gab, haben wir uns wieder nach Havanna begeben, wo wir unseren Kuba-Aufenthalt ausklingen haben lassen und von wo wir dann nach Jamaika geflogen sind.

Resümee
Kuba war auf jeden Fall – nach über 3 Monaten in Asien – eine neue, komplett andere Erfahrung. Das soziale Klima hier ist wesentlich rauer, nicht so zurückhaltend/schüchtern wie in Asien, sehr temperamentvoll und man kommt einander viel schneller Näher und genießt Freundschaft und Hilfsbereitschaft (als würde man sich schon ewig kennen). Kuba hat einen ganz besonderen Charme und viele Besonderheiten, die man in der Form wohl kaum wo anders findet.

Das “Kubanische Modell” (der kubanische Sozialismus) würden wir im Ansatz als Positiv bezeichnen, hat aber auch sehr viele negative Auswirkungen. Zu den Positiven würden wir jetzt mal das Bildungssystem, Gesundheitswesen sowie die Grundversorgung (“Libreta”) zählen.

Das Bildungssystem ist in Kuba für jeden zugänglich und kostenlos. Das geht so weit, dass der Staat sogar die Unterkunft finanziert, sofern die angestrebte Studienrichtung nicht im jeweiligen Wohnort angeboten wird. Gleichzeitig ist es aber sehr streng: man hat während des Studiums jedes Jahr eine Hauptprüfung, zu der man maximal zweimal antreten darf, gelingt es auch beim zweiten Versuch nicht, fliegt man komplett raus. Dies gilt natürlich nicht für die Pflichtschule. Insgesamt schneidet das kubanische Bildungssystem im internationalen Vergleich (laut Erhebungen der UNO etc.) gut aus und ist zu den Erfolgreichsten (zum Teil mit Abstand) in Lateinamerika zu zählen.

Ebenso das Gesundheitswesen, das – für ein Entwicklungsland – sehr gut entwickelt ist und in vielen Bereichen mit den sogenannten Industriestaaten mithalten kann. Die Lebenserwartung in Kuba übertrifft sogar den einen oder anderen Industriestaat. Das kubanische Gesundheitswesen setzt sehr stark auf Prävention (wohl auch aus Kostengründen) und ist ebenfalls kostenlos: Vorsorgeuntersuchungen, jegliche Behandlungen, Krankenhausaufenthalte und Medikamente – alles unentgeltlich. Die Kubaner tragen lediglich die Kosten für Medikamente außerhalb eines Krankenhausaufenthaltes – aber auch hier nur eine Rezept-Gebühr und nicht den eigentlichen Preis.

Und dann noch kurz zur Grundversorgung, der “Libreta”: jede Familie bekommt jeden Monat so eine Art Gutschein-Heft (abgestimmt auf die Familiengröße), wo man eine bestimmte Menge an diversen Lebensmitteln und sonstigen Alltagsgütern erhält. In der Regel reicht es nicht für den ganzen Monat, ist aber für viele Familien eine große Stütze und wirkliche Armut – wie wir sie fast sonst überall auf unserer Reise angetroffen haben – gibt es hier nicht.

Soweit mal zu den positiven Seiten/Ansätzen des kubanischen Modells… natürlich gibt es dann auch noch die Schattenseite(n): dies alles kostet Kuba eine Menge Geld, und da Kuba wirtschaftlich ohnehin schon aus allen Löchern pfeift, wird das wohl nicht auf Dauer zu halten sein bzw. ist schon jetzt nur bedingt und mit vielen Kompromissen und durch Unterstützung durch Drittstaaten bzw. internationale Organisationen möglich. Engpässe und lange Warteschlangen gehören hier zum Alltag. Es ist praktisch unmöglich alle Besorgungen an einem Tag zu erledigen, da immer etwas nicht vorrätig ist- und das oft für Wochen. Kuba muss rund 80 % der Lebensmittel importieren, obwohl sich hier ideale Bedingungen für Landwirtschaft vorfinden… das kubanische Modell ist ineffizient. Das hat auch die kubanische Regierung eingesehen und daher ist seit einigen Jahren Privatwirtschaft in einigen Bereichen erlaubt. Seitdem hat sich die Situation etwas gebessert, es wird aber wohl noch Jahr(zehnt)e brauchen, bis das alles in Schwung kommt. Wer sich in Kuba selbstständig macht, braucht einen langen Atem… für alles gibt es strenge Auflagen, jede Erweiterung muss von den Behörden abgesegnet werden, was sich über Wochen und Monate ziehen kann. Wir gehen davon aus, das es Kuba – dass bereits stark im Wandel ist – in der aktuellen Form nicht mehr lange geben wird und das hier in 10 – 20 Jahren ein ganz anderer Wind wehen wird.

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