Bolivien

Bolivien gilt als das einzige Entwicklungsland Südamerikas und entsprechend stark war der Kontrast zwischen Ecuador (wo wir rund einen Monat verbracht haben) und Bolivien. Laut offiziellen Angaben leben bis zu 60 % der Bolivianer in Armut, und das merkt man auch, wenn man durch das Land reist. Das durchschnittliche Einkommen hier ist wesentlich geringer als in den anderen Ländern Südamerikas. Ein Lehrer bekommt zum Beispiel rund € 250, ein Minenarbeiter kommt zwar auf € 400 – € 500 in einem durchschnittlichen Monat, wird aber aufgrund der harten, belastenden Arbeit nicht sonderlich alt.

Genauso wie in Ecuador, haben wir uns auch hier größtenteils in der Andenhochebene aufgehalten, also nahezu durchgehend zwischen 3000 und 4000 m Höhe. Probleme mit der Höhe hatten wir nicht, das kann man jetzt nach rund 7 Wochen in dieser Höhe definitiv ausschließen ;)

La Paz
Begonnen haben wir unsere Bolivienreise in La Paz. La Paz gilt zwar offiziell nicht als Hauptstadt Boliviens, ist es aber de facto, da sich eigentlich alles hier abspielt. Gemeinsam mit El Alto (eine seit wenigen Jahren eigenständige Stadt, die direkt neben La Paz liegt) ist La Paz die mit Abstand größte Stadt des Landes, hier befindet sich der Regierungssitz und auch sonst alles, was von Bedeutung ist. La Paz liegt in einem Canyon in der Anden-Hochebene, der nördliche Teil der Stadt liegt auf rund 4100 m und der südliche auf rund 3100 m, was wohl ebenfalls einmalig auf dieser Welt ist. Aufgrund der großen Differenz ist es im südlichen Teil der Stadt bis zu 10°C wärmer als im Norden. Und ein Stadt-Spaziergang entspricht einer mittelmäßigen Bergtour, ständig geht man bergauf oder -ab, zum Teil sehr steil und bei manchen Straßen ist man verwundert, dass da überhaupt noch Autos (zum Teil sogar Busse) hinaufkommen. La Paz ist wesentlich moderner als die meisten anderen Regionen Boliviens, dennoch ist der Kontrast zu Ecuador – wie bereits geschrieben – oder Chile (wo wir nur eine Kleinstadt gesehen haben) extrem.

In La Paz waren wir sehr lange, in Summe etwa zwei Wochen – ähnlich wie in Quito konnte man hier in der direkten Umgebung sehr viel machen. Und während daheim schön langsam der Sommer einkehrt, mussten wir hier teilweise frieren ;) aufgrund der hohen Lage sinkt die Temperatur in der Nacht auf bis zu 0°C ab, tagsüber klettert das Thermometer auf 14 bis 18 °C (so zumindest in der Zeit, wo wir dort waren). Während unserem Aufenthalt in La Paz wurde sehr viel demonstriert, einmal sogar vier Tage in Folge – und während daheim selten mehr wie ein paar Tausend (wenn überhaupt) zu einer Demo kommen, kann man hier – am Höhepunkt – von paar Hunderttausenden (!) sprechen. Und entsprechend sind die Auswirkungen: der Verkehr liegt komplett lahm und man hat ständig das Gefühl, die Lage könnte jeden Moment explodieren. Auch weil sehr viel geschossen wird… also, nicht auf Menschen, sondern in die Luft – selbst gebastelte Sprengkörper (schätze so etwas ähnliches wie “Schweizer”) werden in Bambusröhren gezündet und in die Luft geschossen. Hört sich auf jeden Fall arg an. Da wir die Lage anfangs nicht einzuschätzen wussten, haben wir uns erkundigt, ob das “normal” sei – es sei nicht “normal”, hat man uns geantwortet, es ist wesentlich mehr los als sonst und normal wird auch nicht so lange demonstriert. Auch konnte man zu dieser Zeit kaum wo hinreisen aufgrund der vielen Straßenblockaden. Hauptforderungen waren mehr Pension und mehr Lohn – was raus gekommen ist bzw. ob noch immer gestreikt wird, wissen wir nicht, da wir uns inzwischen nicht mehr in La Paz aufhalten und die anderen Regionen nicht so stark von politischen Protesten betroffen sind.

Death Road
Einer der Ausflüge aus La Paz war die Death Road (“Yungas-Straße”, zwischen La Paz und Coroico), die angeblich gefährlichste Straße der Welt. Bis vor wenigen Jahren (eine neue Straße wurde erst 2006 gebaut) gab es hier sehr viele Unfälle, da die – unbefestigte – Straße größtenteils nur 3 m breit ist und an den Hängen geht es bis zu 600m abwärts. Hier waren nur wenige PKWs unterwegs (wie auch im Jahr 2013 machen Busse und LKWs den Großteil des Verkehrs in Bolivien aus), und wenn sich zwei Fahrzeuge an einer engen Stelle begegnet sind, musste das Äußere über die Böschung hinaus fahren – was eben sehr oft tödlich geendet hat (bis 2007 gab es auf dieser Straße rund 200 bis 300 Todesfälle pro Jahr). Die Straße verbindet La Paz mit dem Tiefland (Regenwald) und auf einer Länge von rund 65 km überwindet man über 4000 Höhenmeter (man durchfährt damit quasi alle Klimazonen Südamerikas). Eine weitere Besonderheit der “Death Road”: hier herrscht Linksverkehr, damit die – links sitzenden – Fahrer die Böschung besser sehen, was vor allem bei Gegenverkehr sehr wichtig ist (ansonsten herrscht in Bolivien – wie in ganz Südamerika – Rechtsverkehr).

Heutzutage wird die Straße aber kaum noch benutzt, da – wie bereits geschrieben – 2006 eine neue (wesentlich sicherere) Straße gebaut wurde. Die Straße wird heutzutage fast ausschließlich für Mountainbike-Touren genutzt und an einer solchen haben wir teilgenommen. Die Tour beginnt auf 4600 m Höhe, die ersten paar Kilometer fährt man noch auf einer gut ausgebauten, asphaltierten Straße und erst die letzten rund 40 km fährt man den auf der alten, berüchtigten “Death Road”. Es war sehr faszinierend! Es geht nahezu durchgehend bergab und man kann quasi dabei zusehen, wie sich die Vegetation ändert und sich zunehmend in einen Dschungel verwandelt – viel Gelegenheit hat man dazu allerdings nicht, da man sich doch sehr auf die Straße konzentriert: auch wenn jetzt bei Weitem nicht mehr so viel los ist, ist der Spaß alles andere als ungefährlich… einmal die Lage falsch eingeschätzt und/oder zu spät gebremst und es ist vorbei. Auch waren die Räder nicht unbedingt im Besten zustand – sowohl Nermin als auch ich mussten das Rad während der Tour wechseln (man wird von einem “Support-Car” begleitet, eben für solche Fälle). Bei mir hat die Vorderbremse versagt, beim Nermin ist die Gangschaltung abgebrochen. Auch sind uns ein paar LKWs entgegenkommen, die man aufgrund der kurvigen Straße oft erst im letzten Moment sieht. Entlang der Strecke finden sich sehr viele Denkmäler, zur Erinnerung an die Unfälle (darunter auch Mountainbiker).

Huayna Potosí (6.088 m)
Ein weiterer Ausflug aus La Paz war die Besteigung des Huayna Potosí, eines 6.088 m hohen, vergletscherten Berges, rund 25 km von La Paz entfernt. Obwohl wir beide alles andere als Bergsteiger sind, hat uns diese Idee nicht mehr los gelassen und nach einigen Tagen überlegen haben wir uns dann dafür entschieden. Wer weiß, wann sich das nächste Mal die Gelegenheit ergibt, einen 6000er zu besteigen!? Natürlich haben wir auch hier eine Tour gebucht, da wir weder Erfahrung noch Equipment dabei hatten. Die Tour dauert drei Tage: am ersten Tag fährt man mit dem Geländewagen zur Basisstation auf rund 4.800m Höhe, wo man auch am selben Tag noch ein Training absolviert: da die Gletscherzungen zum Teil bis unter 5000 m reichen, kann man unweit der Hütte an einer solchen trainieren (Eisklettern, gehen mit den Spikes etc.). Die erste Nacht verbringt man auf dieser Basisstation (auch zur Akklimatisierung).

Am zweiten Tag geht es dann – mit dem gesamten Equipment, also rund 20 bis 30 kg – zur zweiten Station auf 5.130m Höhe…. was aufgrund des Gewichts des Equipments nicht gerade ein Spaziergang ist. Bei der zweiten Station ist man gegen Mittag und das war es auch schon für den zweiten Tag… man kann dann noch auf eigene Faust etwas herum wandern oder auch seine Kräfte schonen, schließlich geht es am nächsten Tag bereits um 1 Uhr morgens auf den Gipfel. Um ca. 17 Uhr gibt es Abendessen und dann heißt es auch schon schlafen gehen – viel Schlaf haben wir allerdings nicht abgekommen, da es einfach noch viel zu früh zum schlafen war. Außerdem haben rund 10 andere im selben Raum übernachtet, und da andauernd jemand auf die Toilette muss oder sonst was zu erledigen hat, kommt man eben nicht viel zum schlafen. Und bisschen nervös ist man natürlich auch ;)

Um 0:30 wurden wir dann geweckt und nach einem schnellen Frühstück (mit viel Koka-Tee!) ging es dann um 1:30 auch los. Der Grund, warum man um diese Uhrzeit losgeht, ist Folgender: während der Nacht ist der Schnee gefroren und somit ist der Aufstieg wesentlich einfacher als tagsüber, wo die Oberfläche aufgrund der starken Sonneneinstrahlung auftaut. Der Aufstieg dauert in der Regel 5 – 6 Stunden, wir waren nach knapp 4 Stunden bereits am Gipfel. In diesen 4 Stunden haben wir fast 1000 Höhenmeter überwunden, darunter einige sehr steile Bereiche. Wir haben uns lange Zeit sehr gut gehalten, erst die letzten rund 200 Höhenmeter hatten wir etwas zu kämpfen – wohl auch, weil es die Bergführer viel zu eilig hatten (am Gipfel mussten wir dann rund eine halbe Stunde auf den Sonnenaufgang warten, was bei gefühlten -15°C nicht so lustig ist). Aber wir haben es geschafft, und nur das zählt! :) Es war eine überwältigende Aussicht, als es dann hell wurde! Wir hatten Glück mit dem Wetter und somit hat man sehr weit gesehen: La Paz (zur Hälfte in Wolken eingehüllt), den Titikakasee, viele weitere Gipfel und faszinierende Landschaften und im weit entfernten Regenwald hat es geblitzt und gedonnert (vor allem während dem Aufstieg im Dunkeln hat das ein sehr schönes Bild abgegeben). Somit bleibt abschließend nur zu sagen: wir sind auf unserer Reise nicht nur weit – sondern auch sehr Hoch – gekommen! ;)

Pampa (Rurrenabaque)
Nach der Huayna Potosí-Besteigung haben wir uns wieder für paar Tage in La Paz einquartiert um etwas zu verschnaufen. Auch haben nicht nur wir den Huayna Potosí bezwungen, sondern auch er mich: eine Erkältung war die Folge, aber alles halb so wild – schließlich reicht unser Spanisch schon aus, um in der Apotheke Hustensaft etc. zu besorgen ;)

Nach 3 Tagen in La Paz ging es auch schon weiter, und zwar in die “Pampas”. Da wir nicht wussten, ob wir dort hinfahren können (aufgrund der Proteste) und uns das auch niemand versichern konnte (die Tage zuvor haben wir von einige Reisenden gehört, dass die ihre geplanten Trips nicht antreten konnten), sind wir kurzerhand geflogen: auch eine Wahnsinns-Erfahrung! In einem Kleinflugzug, in das nicht mal 20 Leute passen, fliegt es sich doch anders als in für internationale Flüge ausgelegten Jets. Wir sind gleich in der ersten Reihe gesessen – und da das Cockpit nicht abgetrennt war, konnten wir den beiden Piloten bei der Arbeit zusehen und haben auch vorne hinausgesehen. Und der Flughafen in Rurrenabaque war auch wesentlich anders als alles davor gesehene - mitten im Dschungel eine kurze Landepiste, alles sehr klein und minimalistisch (bis auf die Landepiste war auch nichts asphaltiert, das Flugzeug ist durchs Gras zu einer kleinen Hütte gefahren, in der alles Notwendige für den Flugbetrieb untergebracht war).

Dort wurden wir von einem Geländewagen abgeholt und dann ging es drei Stunden über Stock und Stein bis nach Santa Rosé (diese unasphaltierte Straße war die Hauptstraße in dieser Region – wie bereits geschrieben, Bolivien ist ein sehr armes Land). Von Santa Rosé ging es dann mit einem kleinen Boot (“Longtail-Boot”, auch in Asien sehr verbreitet) weiter (weitere rund 3 Stunden) bis zu einem Camp mitten im Nirgendwo, direkt am Fluss gelegen (in der Pampa kann man sich nur auf dem Boot fortbewegen). Hier sind wir drei Tage geblieben und haben allerhand Aktivitäten unternommen und haben dabei sehr viele – für uns Neue – Tiere gesehen. Am spannendsten waren wohl die Alligatoren, von denen es nur so gewimmelt hat… wir haben wohl an die paar hundert an diesen drei Tagen gesehen. Von ganz klein bis sehr groß (4-5 m), darunter auch Solche, die es nur hier gibt. Aber auch verschiedene Affen, Vögel, Schlangen, Flussdelfine und einige Tiere, die so exotisch sind, dass wir nicht mal den Namen kennen (aber es gibt Bilder davon! – sehen aus wie riesige, mutierte Ratten).

Potosí
Nach unserem Pampa-Ausflug ging es ein letztes mal nach La Paz, wo wir unseren Krempel abgeholt haben und von wo wir dann gleich nach Potosí weiter gereist sind. Potosí war vor 400 Jahren eine sehr reiche Stadt. Sie liegt am Fuße de Cerro Rico (=reicher Berg), in dem es damals enorme Vorkommen an Silber gab, und zu dieser Zeit war Potosí auch größer als zB Madrid, Paris oder London. Heute ist Potosí nur noch ein Schatten seiner selbst, zwar ist nach wie vor ein Großteil der Bevölkerung im Bergbau beschäftigt, aber das läuft bei Weitem nicht mehr so ertragreich wie früher. Hier haben wir das gemacht, wofür Potosí bekannt ist: eine Mine besichtigt.

Zwischen 10.000 bis 15.000 Mann arbeiten täglich in einer der über 200 Minen im Cerro Rico. Unser Guide war lange Zeit selbst Minenarbeiter, hat schon mit 14 damit begonnen, konnte sich aber aufgrund seiner guten Sprachkenntnisse und seinem Ehrgeiz davon “befreien” – und bietet jetzt eben Führungen durch die Minen an. Er verdient jetzt zwar weniger, lebt aber wesentlich besser – er ist damit zufrieden und hofft, dass auch die anderen Minenarbeiter einen Ausweg finden. Diese Führung war ein sehr authentisches Erlebnis! Hier darf man sich nicht einen alten, abgeriegelten Stollen – extra für Touristen eingerichtet – vorstellen… nein, hier werden Stollen besichtigt, die noch aktiv sind, wo sich nach wie vor Dutzende Minenarbeiter tummeln und wo man alles hautnah mitbekommt. Einige Male mussten wir schnell auf die Seite weichen, weil mal wieder ein Minen-Wagen raus geschoben wurde – diese Wagen wiegen bis zu einer Tonne und werden mit bloßen Händen geschoben… hier ist eben noch alles wie “früher”, für technische Innovationen gibt der Berg vermutlich auch zu wenig her. In solchen Fällen läuft ein Minenarbeiter voraus und warnt alle, da der Wagen eben nicht einfach so abgebremst werden kann und nur selten genug Platz ist, um auszuweichen.

Die Minenarbeiter in Bolivien sind inzwischen unabhängig und auf das sind sie auch sehr stolz. Die Arbeit in den Minen ist sehr hart, die wenigsten werden älter als 50 – aber jetzt arbeiten sie nicht mehr für Könige, Politiker oder internationale Konzerne, sondern für sich selbst. Die Minenarbeiter sind in Gewerkschaften organisiert, jede Gewerkschaft besitzt eine oder mehrere Minen. Die Gewerkschaften wiederum sind in zahlreiche kleine Gruppen untergliedert (meistens auf familiärer Ebene) und bestehen aus 4 bis 9 Mann – diese Gruppen trennen sich in der Regel das ganze Leben lang nicht. Vertrauen ist hier wichtig! Obwohl Kinderarbeit in Bolivien offiziell verboten ist, sind wir auch einigen Kindern begegnet: vor allem da die Schulen dieser Tage wegen eines Lehrerstreiks geschlossen waren. Aber auch ansonsten gehört das hier zum Alltag – niemand kontrolliert, was hier wirklich passiert… und es wird auch nicht großartig verheimlicht.

Die Stollen sind teilweise nur einen Meter hoch und entsprechend mühsam ist es, durch diese zu “wandern”. Das Atmen fällt schwer, es ist extrem staubig. Darunter auch toxische Stoffe. Man trifft immer wieder auf kleinere Gruppen, die in dem für sie reservierten Teil des Stollens hart arbeiten. Nur mit dem Notwendigsten ausgerüstet.

Die Minenarbeiter in Potosí haben so eine Art eigenen Glauben entwickelt. Sie sind zwar überwiegend katholisch und glauben auch an Jesus und Co., aber hier unter der Erde ist für sie El Tio (spanisch für “der Onkel”, repräsentiert sozusagen den Gott der Unterwelt) zuständig. In jeder Mine gibt es einen Altar, meistens mit einer Figur, die den El Tio verkörpert und 2x im Monat gibt es eine Zeremonie. Am ersten Freitag im Monat, um sich einen guten Ertrag vom “Gott der Unterwelt” (Besitzer der Mineralien im Berg) zu wünschen und am letzten Freitag, um sich für den Ertrag im letzten Monat zu bedanken. Bei diesen Zeremonien wird sehr viel hochprozentiger (96 %) Alkohol pur getrunken, den laut der Definition dieses Rituals sind dann auch die gefundenen Mineralien “hochprozentig”. Vor jedem Schluck verschüttet man ein wenig auf den Boden (=”Mutter Erde”) und etwas auf El Tio selbst, was teilen mit ihm bedeutet. Auch werden El Tio zahlreiche Geschenke (Zigaretten, Koka, …) sowie Opfer gebracht: da es sehr viele Unfälle in den Minen gibt, heißt es unter den Minenarbeitern, das El Tio hungrig nach Blut ist – daher werden bei diesen Zeremonien Lamas geschlachtet und deren Blut an die Wänden (insbesondere in den Eingangsbereichen) gespritzt… dadurch erhofft man sich, dass der Durst von El Tio gestillt wird und es somit weniger menschliche Opfer gibt.

Salar de Uyuni
Nach zwei Tagen und einer Übernachtung in Potosí ging es auch schon weiter nach Uyuni – bekannt für den größten Salzsee der Erde, den “Solar de Uyuni” (10.580 km²). Hier ist vor rund 10.000 Jahren der salzhaltige See Tauca ausgetrocknet und übrig geblieben ist nur das Salz – soweit das Auge reicht. In der Regenzeit bildet sich eine paar Zentimeter tiefe Wasserschicht und verwandelt den See in den größten natürlichen Spiegel der Erde… da wir aber in der Trockenzeit hier waren, konnte der See begangen bzw. befahren werden. In der Mitte des Sees befindet sich eine Insel, auf der sehr viele, sehr hohe und bis zu 1200 Jahre alte Kakteen zu finden sind – vom höchsten Punkt dieser Insel hat man auch einen wunderbaren Ausblick auf die Umgebung. Besucht haben wir auch ein “Salzhotel”, ein Hotel, gänzlich aus Salz errichtet (sogar Tische und Stühle – die sanitären Anlagen zum Glück nicht), in dem sich auch ein kleines Museum mit Skulpturen aus Salz befindet.

Oriente
Nach dem Salzsee ging es dann aber allmählich wieder ins “Tiefland” – zuerst nach Sucre, die formale Hauptstadt Boliviens und liegt auf etwa 2800m. Das war von der Temperatur her schon wesentlich angenehmer und hier sind wir auch vier Tage geblieben. Sucre ist vor allem für seine weißen Häuser bekannt – rund 10 Blocks vom Zentrum entfernt muss jedes Haus laut Gesetz weiß gestrichen werden, was der Stadt einen durchaus edlen und wohlhabenden Eindruck verleiht (insbesondere hier in Bolivien, wo in den meisten anderen Städten die Häuser oft gar nicht verputzt sind). Etwas außerhalb sieht es dann schon wieder in etwa so aus wie überall in Bolivien. Von Sucre aus ging es weiter nach Santa Cruz, eine der größten Städte Boliviens und das Zentrum des Ostens. Santa Cruz liegt auf rund 400m und damit war unser mehrwöchiger Ausflug ins Hochland endgültig beendet – ab hier wird es für den Rest der Reise nicht mehr wesentlich hinaufgehen. Santa Cruz war für uns nicht weiter spannend, diente lediglich als Ausgangspunkt für die Weiterreise nach Brasilien, haben aber auch hier einen kurzen Zwischenstopp eingelegt, da wir die nächsten Tage ohnehin genug im Bus sitzen werden.

Resümee
Genauso wie Ecuador hat uns auch Bolivien sehr gut gefallen -definitiv eines der Highlights unserer Reise! Auch hier findet man auf relativ kleinem Raum Verschiedenartigstes und es ist wohl für jeden etwas dabei. Egal, ob man wochenlang durchs Hochland trampen möchte, tagelang im Dschungel versumpfen will, Berge besteigen oder einfach durch die idyllischen Städte schlendern möchte. Hier haben wir auch einige getroffen, die sich alles was sie so brauchen aufs Fahrrad geschnallt haben und so durchs Land gereist sind. Und sehr viel haben wir in der kurzen Zeit gar nicht gesehen/erlebt. Bolivien ist sehr günstig und unkompliziert, und obwohl es ein armes Land ist, findet man im Wesentlichen alles, was man so braucht.

Der hohe Anteil an der indigenen Bevölkerung macht das Land ebenfalls zu einem besonderen Erlebnis, hier haben sich die Traditionen so gut wie kaum wo in Südamerika gehalten. Und was in einem Bolivienartikel ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf, ist Koka – einfach allgegenwärtig in Bolivien. International verboten und geächtet wird es hier schon seit Jahrhunderten konsumiert – entweder gekaut oder als Tee getrunken (ist hier so eine Art Nationalgetränk). Auch Touristen greifen im Andenhochland gerne zum Koka-Tee, da es die Sauerstoffaufnahme fördert und somit gegen die Höhenkrankheit hilft. Auch wir haben bei unserer Huayna Potosi Besteigung reichlich Koka-Tee getrunken… ob es geholfen hat, können wir nicht sagen, aber wir haben es bis hinaufgeschafft, was uns letztendlich leichter gefallen ist, als wir gedacht hätten. Auch in den Minen ist Koka allgegenwärtig, jeder Minenarbeiter konsumiert (kaut) rund 15g pro Tag, was das Leben “Untertags” erträglicher macht. Auch die spanische Krone hat zur Blütezeit des Bergbaus in Potosí das Koka gefördert, da die Minenarbeiter dadurch wesentlich belastbarer waren. Und es spielte auch eine zentrale Rolle in der Kultur der Inka. Dass es international als Droge eingestuft wird, ist wohl überspitzt, da es im Grunde nichts mit der Droge Kokain zu tun hat (wird zwar aus Koka-Blättern gewonnen, aber bei extremer Dosierung der in der Koka-Planze enthaltenen Alkaloide und viel Chemie)… die Weintraube kann ja zB auch nichts dafür, dass man aus ihr Alkohol / Wein machen kann (und selbst in Saudi-Arabien ist noch niemand auf die Idee gekommen, Weintrauben deshalb zu verbieten). Dieses Thema ist hier (nicht nur in Bolivien, auch in Peru und Kolumbien) sehr wichtig, da viele direkt (Anbau) oder indirekt (Handel) davon betroffen und benachteiligt sind (zB kein Export von Tee möglich) und daher ist wohl nicht ganz zufällig ein ehemaliger Koka-Bauer Präsident von Bolivien (Evo Morales).

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